«Endlich habe ich eine leichte Gerechtigkeit erlebt»

Renata Nydegger erhält als erstes ehemaliges Verdingkind von einem Kanton Geld zurück. Der Thurgauer Regierungsrat zahlt der 73-jährigen Frau, die in Diessenhofen zur Welt kam, 18‘000 Franken. Dieses Geld erhält sie für ein verschollenes Sparheft, das ihr leiblicher Vater für Sie ausstellte.

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Bildlegende: Renata Nydegger erhält als erstes ehemaliges Verdingkind von einem Kanton Geld zurück. SRF

Heute lebt Renata Nydegger im Kanton Freiburg. Geboren wurde sie 1941 in Diessenhofen am Rhein. Als kleines Kind lebte sie bei ihren Grosseltern, mit sieben Jahren wurde sie in Schaffhausen bei einer Pflegefamilie verdingt. Dort erlebte sie die Hölle: «Ich wurde geschlagen und musste hungern».

Später umtrieb sie stets die Frage, wieso sie als Kind verdingt wurde.

Sie verlangte bei Behörden, der Gemeinde Diessenhofen und beim Kanton Thurgau Einsicht in die Akten von früher.

Sparbuch aufgespürt

In diesem Zusammenhang stiess die heute 73-jährige Thurgauerin auf ein verschollenes Sparbuch: «Mein leiblicher Vater eröffnete vor über 60 Jahren ein Sparbuch für mich und zahlte jeden Monat 40 Franken ein», erzählt Renata Nydegger. Über 3‘000 Franken waren auf dem Konto. Mit Zins und Zinseszins wären das heute rund 18‘000 Franken. Der Thurgauer Regierungsrat hat sich entschieden, dem ehemaligen Verdingkind aus Diessenhofen dieses Geld auszuzahlen. Renata Nydegger meint: «Der Kampf hat sich gelohnt, als ich die Nachricht erhielt, war ich voller Dankbarkeit und Freude.» Abschliessend sagt die 73-jährige Frau: «Endlich habe ich eine leichte Gerechtigkeit erlebt».