«Ich rede viel. Ich rede gut».

Gross ist nicht nur die Redegewandheit des Malers Willi Oertig. Gross ist auch seine Kunst. Fast 1000 Bilder hat er in den letzten 40 Jahren gemalt. Das Kunstmuseum Thurgau widmet ihm nun eine Retrospektive und diese zeigt die stillen Bilder eines Mannes - der selbst gar nicht so ruhig ist.

Willi Oertig beim Malen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Für Willi Oertig ist Malen seine Art von Trauerarbeit. Früher war es der Fussball, der ihm Halt gab. zvg

 Der 66jährige Willi Oertig ist in Zürich aufgewachsen und wohnt seit rund 20 Jahren im Kanton Thurgau. Bei einem Besuch in seinem Atelier in Kradolf fällt seine Herzlichkeit und auch sein Redefluss auf: Willi Oertig ist nicht zu bremsen. Auch was seine Bilder angeht. Ausgangslage sind selber gemachte Fotografien, die er mit Ölfarben auf Leinwände bringt. Die Bilder zeigen Strommasten, Tankstellen, Häuser oder Bahnhöfe. Meist ohne Personen, meist mit viel Platz für den Himmel oder die Nacht.

«Die Bilder sind meine Art der Trauerarbeit», sagt Willi Oertig gegenüber «Regionaljournal Ostschweiz». Seine Kindheit mit vielen Wohnungswechseln und abwesenden Eltern sei schwierig gewesen.

«  Als Bub hat mir der Fussball Halt gegeben, später kam das Malen dazu. »

Oertig malt und vermarktet sich selbst. Er sei ein Typ, der am liebsten alleine die Fäden zieht und aktiv auf Medien und Menschen zugeht. Seine Lösung: «Mit einem Grüezi hast du das Bild schon fast verkauft».

Inspiration und Stärke verleiht ihm Musik, beispielsweise von Jon Lee Hooker. Gerne zieht Oertig Parallelen zu diesem Musiker: «Jon Lee Hooker hat sich selbst aus dem Dreck gezogen - wie ich auch.» Und beide spielen mit dem Blues: Oertig in seinen Bildern, Hooker in seinen Songs. Beide verbreiten eine gewisse Traurigkeit, aber auch eine innere Stärke.