Islamisches Zentrum löst im Glarnerland Unsicherheit aus

Das grösste muslimische Zentrum entsteht im Kanton Glarus. Bereits Ende Monat soll das islamische Begegnungszentrum in Netstal eröffnet werden. Gebaut wurde in Rekordzeit. Einsprachen gingen keine ein. Trotzdem löst das islamische Zentrum im Glarnerland in der Bevölkerung grosse Unsicherheit aus.

Irfan Lika, Präsident der islamisch-albanischen Gemeinschaft Glarus vor dem neuen muslimischen Begegnungszentrums in Netstal. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Irfan Lika, Präsident der Islamisch-Albanischen Gemeinschaft Glarus vor dem neuen muslimischen Begegnungszentrums in... SRF

Netstal im Glarnerland. Rund 3'000 Menschen leben in diesem Ortsteil der Gemeinde Glarus. Ennet der Gleise unweit des Bahnhofs in einem Industriequartier fahren Bagger auf und laden Lastwagen ihre Ladung ab. Mitten auf der Baustelle steht der Gemeindepräsident von Glarus Christian Marti: «Mich hat überzeugt, dass die islamische Gemeinschaft aus den Hinterhöfen in die Öffentlichkeit kommt.»

Nicht als Moschee erkennbar
Von aussen ist das islamische Begegnungszentrum nicht als Moschee erkennbar. Und das sei besonders wichtig. Die Gemeinde habe auf den islamisch-albanischen Verein Glarus eingewirkt, dass sich das Gebäude gut in die Umgebung einpasse, erklärt Marti. Ein Minarett, eine grosse Kuppel und orientalische Verzierungen sind aussen keine zu erkennen. Der 2,5 Millionen Franken teure Bau ist kubisch und erinnert eher an ein grosses mehrstöckiges Geschäftshaus als an eine Moschee. Der Präsident der Islamisch-Albanischen Gemeinschaft Glarus Irfan Lika: «Wir wollen mit dem Neubau niemanden provozieren, das ist uns gut gelungen.»

Was hält die Dorfbevölkerung am Stammtisch vom Neubau?
«Ich habe keine Freude. Wenn ich das muslimische Zentrum hätte verhindern können, hätte ich das getan», sagt eine Glarnerin. Ein älterer Mann doppelt nach: «Ich bin skeptisch gegenüber dem Islam. Das kann schon kritisch werden.» Angst und Unsicherheit vor dem Unbekannten schwingen in vielen dieser Voten mit.

Dass ein islamisches Zentrum im wertkonservativen Glarus einen eher schweren Stand haben dürfte, war dem Präsidenten der Islamisch-Albanischen Gemeinschaft Glarus, Irfan Lika, von Anfang an bewusst: «Mit dem Begegnungszentrum wollen wir Vorurteile abbauen.»

Regionaljournal Ostschweiz, SRF1, 17:30 Uhr