Kanton St. Gallen am Anschlag mit UMA-Betreuung

Die Zahl der jugendlichen Asylbewerber, die ohne Eltern aus ihrem Heimatland geflohen sind, hat sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt. Das Zentrum Thurhof in Oberbüren ist mittlerweile überfüllt. Trotzdem dauert es noch, bis sich die Situation entspannt.

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St. Gallen am Anschlag mit Betreuung minderjähriger Flüchtlinge

4:43 min, aus Schweiz aktuell vom 2.12.2015

Haroon ist 16 Jahre alt und kommt aus Afghanistan. Er ist alleine in die Schweiz geflohen, ohne Familie oder Eltern. Er gehört damit zu den UMA, den unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden. 794 UMA ersuchten im letzten Jahr Asyl in der Schweiz.

Die Zahl ist seither sprunghaft angestiegen: In diesem Jahr waren es bis Ende Oktober bereits 1969 Asylgesuche von UMA. Für die Betreuung zuständig sind die Kantone, wobei der Kanton St. Gallen die UMA im Zentrum Thurhof in Oberbüren unterbringt.

Turnhalle wird zum Schlafsaal

Ursprünglich waren im Thurhof 27 Plätze für UMA vorgesehen. Heute wohnen jedoch bereits über 120 Jugendliche im Heim. Als Notmassnahme hat der Kanton einen Teil der Jugendlichen ins Asylzentrum Landegg verlegt.

Und trotzdem platzt der Thurhof aus allen Nähten: Mittlerweile mussten die Verantwortlichen die Turnhalle in einen Schlafsaal umfunktionieren, um genügend Betten für die Jugendlichen und Erwachsenen Asylbewerber anbieten zu können.

«  Uns fehlen Aufenthaltsräume, Essräume, Schlafplätze. Wir haben schlicht keinen Platz mehr. »

Markus Laib
Zentrumsleiter Thurhof

Bis sich die Situation entspannt, dauert es noch eine Weile: Wie der zuständige Regierungsrat Fredy Fässler sagt, gehe es sechs bis zwölf Monate, bis ein neues Zentrum eröffnet werden könne. Der Kanton sei seit längerem an der Planung. Anfang 2016 soll im geplanten Asylzentrum Vilters-Wangs eine zusätzliche Abteilung für UMA eröffnet werden.