«Mit stinkendem Geissbock zum Erfolg»

Grosse Buchverlage rümpften die Nase, als ihnen der Glarner Autor Roger Rhyner die Idee seines Duftbuches für Kinder präsentierte. Mittlerweile ist sein «Geissbock Charly» ein Erfolg. Gedruckt wird das Duftbuch im Glarnerland.

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Mit stinkendem Geissbock zum Erfolg

4:28 min, aus Schweiz aktuell vom 1.12.2014

«Am Anfang hat niemand geglaubt, dass das möglich ist», sagt Roger Rhyner. Die grossen Kinderbuch-Verlage hätten dankend abgelehnt, als er ihnen die Idee seines Duftbuch präsentierte. Es sei zu teuer und interessiere niemanden. Das war 2008. Inzwischen liegt der dritte Band seiner Kinderbuchreihe vor: «Geissbock Charly feiert Weihnachten». Wer an den Seiten reibt, riecht in den Geschichten Zimtsterne, Mandarinen oder Tannenbaum. Nach zwei Wochen wurde die zweite Auflage gedruckt.

Inspiriert vom Gestank des Geissbocks

Ursprung der Idee sei eine Fahrt Rhyners durch sein Heimatkanton Glarus gewesen, als er den unverwechselbaren Gestank eines Geissbocks nicht mehr aus seinem Auto brachte. Er wollte diesen Geruch in einem Buch festhalten. «Kinder lieben es, wenn ein Buch riecht», war seine Überzeugung. Es war der Beginn einer Glarner Erfolgsgeschichte. Er fand mit Patrick Mettler einen Illustrator, der seine Geschichten bildlich umsetzte,
Der Glarner Verlag Bäschlin war bereit, das Projekt finanziell zu unterstützen. Für den kleinen Verlag wurde es zum ersten Bestseller in seiner 160jährigen Geschichte.

Aufwändiger Duftdruck

Gedruckt wird das Duftbuch ebenfalls im Glarnerland. Das Verfahren ist aufwändig, wie Martin Küng von Küng Druck in Näfels bestätigt. Das Buch wird zuerst «normal» gedruckt, und in einem zweiten Vorgang wird der Duft hinzugefügt: Eine ölige Masse mit Micro-Duftkapseln. «Die Herausforderung war, dass die Kapseln nicht schon in der Druckmaschine platzten, sondern erst, wenn man im Buch daran reibt». Mittlerweile hat die Druckerei bereits 40‘000 Exemplare der drei Kinderbücher gedruckt.

Dezenter Geissbock-Gestank

Eine besondere Herausforderung sei im ersten Band der Gestank des Geissbocks gewesen. Ein Deutsches Duftstoff-Unternehmen entwickelte den Duft im Auftrag von Roger Rhyner. «Zuerst roch es zu stark nach Exkrementen und wir mussten den Anteil von Heu verstärken. Sonst wäre das Buch wohl kein Erfolg geworden».