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Quellenlage unbefriedigend Medikamentenversuch von 1957 in Herisauer Klinik bleibt ungeklärt

Die vor zwei Jahren bekannt gewordenen Versuche mit dem Antidepressivum «Tofranil» an 16 Patienten der Psychiatrischen Klinik Herisau AR im Jahr 1957 bleiben ungeklärt. Nachforschungen in Archiven brachten keine neuen Dokumente zu Tage.
Dies gaben Uwe Herwig, Chefarzt des Psychiatrischen Zentrums Appenzell Ausserrhoden (PZA), Staatsarchivarin Jutta Hafner und Ratsschreiber Roger Nobs am Montag in Herisau bekannt. Der Ausserrhoder Fall war Mitte 2016 im Zuge von Forschungen zu Medikamententests im Kanton Thurgau bekannt geworden.

Von den 16 Personen, an denen G22355 getestet wurde, starb eine Patientin eine Woche nach Absetzung des Medikaments. Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Medikamententest und dem Tod der Patientin könne «aus ärztlicher Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden», sagt Chefarzt Uwe Herwig.
Der Name der verstorbenen Patientin konnte anhand des Todesdatums im Todesregister der Gemeinde Herisau eruiert werden. Auch ihr Patientendossier wurde gefunden. Die Namen der übrigen 15 betroffenen Patienten sind unbekannt. Laut Roger Nobs ist «nicht auszuschliessen, dass noch Menschen leben, die vor 61 Jahren Teil der Versuchsreihe waren».

Lückenhaft dokumentiert

Trotz gezielter Suche in den vergangenen zwei Jahren kamen keine Direktionsakten und keine Forschungsdokumente zu den Medikamentenversuchen von 1957 zum Vorschein. Die Medikamentenbücher, in denen die Medikamente der Patienten festgehalten wurden, seien lückenhaft.
Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass in Herisau weitere Medikamente vor ihrer Zulassung getestet worden wären. Forschungen der Pharmaindustrie hätten vorwiegend an den psychiatrischen Universitätskliniken stattgefunden und nicht an einer kleinen ländlichen Klinik wie Herisau.

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