Retourkutsche für den Kantistreit?

Der St. Galler Kantonsrat hat in der laufenden Session das Kulturprojekt Klanghaus Toggenburg gebodigt. Was auffällt: Überdurchschnittlich viele Kantonsräte aus dem Wahlkreis See-Gaster haben bei der entscheidenden Schlussabstimmung Nein gesagt oder sich der Stimme enthalten.

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Bildlegende: Im Kantonsrat kamen auffallend viele Nein-Stimmen zum Klanghaus aus dem Wahlkreis See-Gaster. Symbolbild SRF

Fünf Stimmen fehlten dem Klanghaus Toggenburg in der Schlussabstimmung. Auffallend viele Nein-Stimmen und Enthaltungen kamen aus dem Linthgebiet. Kein Wunder, heisst es am Tag eins nach der Schlussabstimmung.

Die Kantonsräte aus dem Linthgebiet hätten sich gerächt für den Kantistreit vor zwei Jahren. Damals hatte das Linthgebiet verlangt, dass die Kanti Wattwil verlegt werden müsse – aus dem Toggenburg über den Ricken irgendwo ins Gebiet See-Gaster. Aber das Toggenburg hatte sich erfolgreich zur Wehr gesetzt.

«Nicht regionalpolitisch motiviert»

«Ich kann mir gut vorstellen, dass bei der Schlussabstimmung zum Klanghaus solche Reflexe gespielt haben», sagt der FDP-Kantonsrat Thomas Rüegg aus Rapperswil-Jona. Er gehört zu den wenigen Kantonsräten aus dem See-Gaster, die Ja gesagt haben zum Klanghaus Toggenburg.

Der Stadtpräsident von Rapperswil-Jona, Erich Zoller, hatte sich der Stimme enthalten – «aber sicher nicht aus Rache, sondern aus sachlichen Gründen».

Ebenfalls Stimmenthaltung machte die CVP-Politikerin Yvonne Suter – wollte sich dazu aber gegenüber der Sendung «Regionaljournal Ostschweiz» von Radio SRF 1 nicht äussern. Der GLP-Kantonsrat Nils Rickert steht offen zu seinem Nein: «Das war vor allem finanzpolitisch motiviert.» Einen regionalpolitischen Hintergrund habe dies in dem Sinn, dass die Toggenburger Gemeinden zu wenig fürs Klanghaus in den eigenen Sack langen wollten. «Rapperswil-Jona müsste das tun, genauso die Stadt St. Gallen.»