Schrullig, politisch, alternativ: Grabenhalle

Als Turnhalle wurde sie in den 80er Jahren zum Treffpunkt der autonomen Jugend und linker Freigeister. Und heute ist sie aus der St. Galler Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken: Die Grabenhalle. Dieses Jahr feiert sie ihr 30jähriges Bestehen - ein Grund zurückzuschauen.

Sie waren bewegt, die 80er Jahre, auch im beschaulichen St. Gallen. Räume für eine Kultur jenseits der Tonhalle und des Stadttheaters waren rar, da kam die Grabenhalle, damals in Form einer abbruchreifen Turnhalle, gerade recht. Das erste Konzert fand am 25. November 1981 statt - ein Zufall.

Ein Durcheinander mit den Terminen

Die Deutsche Punkrockband «Schroeder's Roadshow» sollte eigentlich in der Mehrzweckanlage Schönau auftreten. Doch dort war bereits das Militär untergebracht. Das Sportamt, das damals für die Bewilligungen zuständig war, hatte die Termine durcheinander gebracht - und die Deutschen Punkrocker kurzerhand in die Grabenhalle umquartiert. 1982 wurde die IG «Aktionshalle Graben» gegründet. Sie sammelte Unterschriften gegen den Abbruch der Grabenhalle und setzte sich dafür ein, aus ihr einen Hort der alternativen Kultur zu machen. 1983 zeigte sich auch das St. Galler Volk mit der Idee einverstanden und hiess die kulturelle Nutzung der Halle in einer Abstimmung gut.

Schrullige Kunst und berührende Musik

Am 5. Mai 1984 schliesslich, wurde die Grabenhalle eröffnet. Pius Frei, Mitgründer, hat diese Zeit miterlebt. Er erinnert sich an den Kampf mit Behörden und etablierten Politikerkreisen, an eine schrullige Kunstperformance von Roman Signer und Norbert Möslang und an das erste Schweizer Konzert des malischen Musikers Ali Farka Touré, das unter die Haut ging. Gegenüber der Sendung «Regionaljournal Ostschweiz» von Radio SRF1 sagt er: «Ich wünsche mir, dass die Vielfalt der Grabenhalle auch die nächsten 30 Jahre erhalten bleibt. Eine Vielfalt mit Inhalt - die Grabenhalle soll nicht im Partymainstream verschwinden.»