Sieben Opfer wollen Geld

Im ehemaligen Kinderheim im Kloster Fischingen wurden vor allem in den 50er, 60er und 70er-Jahren Kinder misshandelt und sexuell missbraucht. Nach einem Aufruf des Klosters haben sich 20 Betroffene gemeldet. Sieben von ihnen wollen eine finanzielle Entschädigung.

Das Kloster fotografiert aus einem Fenster im Nebengebäude Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Von 1879 bis 1976 war im Kloster Fischingen ein Kinderheim untergebracht. SRF

Nahrungsentzug, Schläge, sexueller Missbrauch: Im Kloster Fischingen wurden Kinder immer wieder misshandelt oder sexuell missbraucht. Dies hatte eine Studie gezeigt, welche im Mai publiziert wurde. Das Kloster entschuldigte sich darauf für die Geschehnisse von damals. Damit es die Opfer auch finanziell entschädigen kann, rief es dazu auf, sich zu melden.

Insgesamt 20 Direktbetroffene hätten dies in den letzten drei Monaten getan, sagt Werner Ibig, Direktor des Vereins Kloster Fischingen. Sieben wollen auch eine finanzielle Entschädigung in Anspruch nehmen.

«Den meisten ging es aber darum, dass sie ihre Geschichte erzählen können und ihnen jemand zuhört», so Ibig. Es habe Betroffene gegeben, welche am Telefon geweint hätten, andere seien vor allem wütend gewesen.

Die Betroffenen können eine Entschädigung aus einem Fonds für Soforthilfe beantragen. Das Kloster Fischingen hat 250'000 Franken in den Fonds einbezahlt. Auch der Kanton Thurgau, die Katholische Landeskirche des Kantons Thurgau und andere Klöster haben Geld gesprochen.

Eine Gedenktafel für die Opfer von damals planen die Verantwortlichen des Klosters Fischingen nicht. «Wir haben einen anderen Weg gewählt, wir wollen, dass die Opfer finanziell entschädigt werden», sagt Werner Ibig. Eine solche Tafel zur Erinnerung an das Vergangene wurde in den letzten Monaten öffentlich gefordert. In Rathausen im Kanton Luzern beispielsweise gibt es so eine Tafel zur Erinnerung an das Schicksal von Heim und Verdingkindern. Das Kirchenparlament wollte ein Zeichen der Versöhnung setzen.