Fall «Kümmertshausen» Tod von IV-Rentner vor Gericht

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Entscheidende Phase in Mammutprozess

3:46 min, aus Schweiz aktuell vom 11.9.2017
  • In Kreuzlingen findet einer der grössten und aufwendigsten Prozesse in der Thurgauer Strafprozess-Geschichte statt: 14 Männer stehen vor Gericht, verhandelt wird mehrere Wochen.
  • Der schwerste Vorwurf: vorsätzliche Tötung. Es geht aber auch um Drogenhandel und Menschenschmuggel.
  • Ab Montag wird das Hauptdelikt im Bezirksgericht Kreuzlingen behandelt: Es geht um den gewaltsamen Tod eines 53-jährigen IV-Rentners.
  • Vier Beschuldigten wirft die Anklage vor, sie seien an der Tötung beteiligt gewesen.

Um was geht es? Im November 2010 wurde ein Mann tot in seinem Haus gefunden worden. Der Tod des Mannes warf zunächst Rätsel auf. Später fanden die Untersuchungsbehörden jedoch heraus, dass das Opfer in die Machenschaften einer kriminellen Organisation geraten war. Es handelte sich um eine Gruppe aus türkisch-kurdischen Kreisen, die Hunderte von Flüchtlinge und Heroin geschmuggelt haben soll. Das Opfer war durch einen Freund in die Machenschaften der Bande hineingezogen worden, wie es in der Anklageschrift heisst. Weil sich der Bandenchef jedoch davor fürchtete, dass der Mann die Polizei informieren könnte, soll er den Auftrag gegeben haben, den 53-Jährigen umzubringen.

Was ist an den ersten beiden Prozesstagen passiert? Vor Gericht beteuerte am Montagmorgen ein erster Angeklagter seine Unschuld und schob die Schuld andern Bandenmitgliedern zu. Der Kopf der Bande - ein 47-jähriger Iraker - habe zwei Männer angeheuert, welche den IV-Rentner aus dem Weg räumen sollten. Diese Männer fuhr der 39-Jährige im Auftrag des Chefs einen Tag vor der Tat zum Haus des IV-Rentners. Was die beiden Männer bei dem Haus machen sollten, habe er damals nicht gewusst, sagte der Türke vor Gericht. Als die Männer nach einem weiteren Versuch am nächsten Tag erneut unverrichteter Dinge nach St. Gallen zurückkehrten, nahm laut dem Beschuldigten ein weiteres Bandenmitglied - ein 53-jähriger Türke - die Sache in die Hand. Der 53-Jährige fuhr die beiden Männer nach Kümmertshausen, blieb aber beim Auto. Der 39-Jährige fuhr mit. Er sei erneut mit den beiden Männern zum Haus gegangen, sagte der 39-Jährige bei der mehrstündigen Befragung. «Sofort gingen die beiden auf den Mann los. Ich wollte sie zurückhalten, aber ich war nicht stark genug», sagte er. Weil das Opfer schrie, habe einer ihn mit einer Jacke zum Schweigen gebracht und sei auf den Mann draufgekniet. Der andere sei ins Haus gegangen und habe nach Drogen und Geld gesucht. Er sei ihm nachgegangen, habe jedoch Angst gehabt, dass der Mann eine Waffe haben könnte. «Ich hatte Angst und wollte fliehen», sagte der 39-Jährige. Als er wieder rausging, sei das Opfer reglos am Boden gelegen. Sie seien mit dem Auto weggefahren. Er habe eine Ambulanz rufen wollen. Die andern hätten ihn jedoch nur ausgelacht, schilderte der 39-Jährige. Am Dienstag gingen die Befragungen weiter, die Angeklagten schoben sich gegenseitig die Schuld zu.

Wie geht es weiter? Zum Auftakt sind drei Tage für die Befragung der Angeklagten eingerechnet.