Der König von Olten: Ein Held im Ruhestand

In seinem Kolumnenband «Der König von Olten» schreibt Alex Capus über seine Heimatstadt Olten und ihre Bewohner. Dabei taucht immer wieder der Kater Toulouse auf. Die ganze Altstadt hofierte dem stolzen König bis vor kurzem. Dann verschwand er plötzlich. Das Regionaljournal hat ihn nun aufgespürt.

Jahrelang herrschte Toulouse über die Oltner Altstadt. Während seine Besitzer samt Papeterie aus der Altstadt wegzogen, blieb der Kater kurzerhand in seinem Revier. Er relaxte auf dem besten Kundensessel in der Kreuzapotheke, spielte mit der Besitzerin des Nähmaschinen-Ladens, ging in die Waadtländerhalle mit den Männern einen Jass klopfen oder übernachtete im Blumenladen oder gleich in einer Wohnung, in der es ihm gefiel. Toulouse ist nämlich ein artistischer Kater und kann selbst Türen öffnen.

«  Am Morgen hockte er auf dem Ladentisch und verlangte nach seinem Kafirähmli.  »

Elsbeth Läuchli
Besitzerin Blumenladen «Bumen aller Art»

Dabei war er überall beliebt, wurde überall mit seinen geliebten Kaffeerähmli, aber auch mit Katzenfutter versorgt.

Vor einem halben Jahr wurde der stolze Kater dann aber plötzlich krank. Besorgt alarmierten die Altstadt-Oltner ihre Besitzerin Susi Köpfli. Diese brachte Toulouse zu sich nach Hause, in eine Wohnung nicht weit von seiner geliebten Altstadt. Dort verlebt er jetzt zum allgemeinen Erstaunen ein zufriedenes Leben als Stubenkater. Mit 14 Jahren sei es wohl Zeit für den Ruhestand, meint seine Besitzerin lachend.

«  Toulouse gehörte einfach zur Altstadt. Er war die Altstadtkatze und eindeutig der König von Olten. »

Markus Jans
Wirt Café Grogg

Erlebt habe Toulouse ja auch genug in seinem Katzenleben, meint Susi Köpfli weiter. Ständig kamen ihr neue Geschichten zu Ohren. So erzählt sie eine Anekdote nach der anderen. Beispielsweise wie er in der Stadtbibliothek für ein Grossaufgebot der Feuerwehr sorgte oder wie er sich im Keller der Apotheke mit Baldrian einen Rausch antrank.

Zusatzinhalt überspringen

Das Buch

Buch mit Katze auf Umschlag im Vordergrund. Holzbrücke und Alstadt von Olten mit Kirche im Hintergrund.
  • Titel: Der König von Olten
  • Autor: Alex Capus
  • Erschienen 2009, 20 Wochen in der Schweizer Bestsellerliste, inzw. 7. Auflage
  • Nachfolgeband: Der König von Olten kehrt zurück (2011)

Buchheld trotz Statistenrolle

Derweil müssen die Laden- und Beizenbesitzer in der Altstadt täglich Fragen zum Verbleib des Königs von Olten beantworten. Nicht nur von besorgten Oltnerinnen und Oltnern. Die Katzenfans reisen sogar aus dem fernen Wallis oder dem Thurgau an, denn Alex Capus hat Toulouse über Olten hinaus bekannt gemacht.

Dabei betont der Oltner Autor immer wieder erfolglos, dass es in seinen Geschichten gar nicht um den Kater geht. Er muss sich gar gegenüber enttäuschten Katzenliebhaberinnen wehren, die ihm schreiben, das sei ja gar kein Katzenbuch und deshalb ihr Geld zurück zurückfordern.

Im Rahmen seiner Kolumne für den Stadtanzeiger von Olten wird Capus immer wieder aufgefordert, über den Kater zu schreiben, schweift dann jedoch bewusst ab und erzählt lieber etwas anderes. Über eine Jugendfreundin, die einmal ein Auto zertrümmerte und sich jetzt über ihre unangepasste Tochter nervt, über Polizeiskandale und Skandälchen oder einfach über seine geliebte Stadt und den Duft nach Guetzli oder Schoggi aus den nahen Fabriken.

Ein König, ein typischer Oltner und ein «Luuser»

Dennoch verlieh Capus dem Kater den Titel «König von Olten» und wählte dies als Buchtitel. Im Gespräch mit Radio SRF bestätigt er dann auch, dass der Kater Toulouse bestens zur Stadt Olten passe. Schon seine Biografie spreche dafür.

«  Zugezogen aus Grindelwald, wurde er rasch ins Herz geschlossen. In der Eisenbahnerstadt Olten ist man nach zwei Wochen ein Einheimischer.  »

Alex Capus
Schriftsteller aus Olten

Für die Oltnerinnen und Oltner gehört Toulouse ganz einfach nach Olten. Das Kaufgebot einer Dame aus Toulouse, welche den bekannten Kater erwerben wollte, wurde dann auch vehement abgelehnt. Dies auch, weil in Olten jedes Kind weiss, dass der Name nicht von der Stadt stammt, sondern eine Abwandlung von «du Luuser» ist.

Ein Lausejunge ist er auch heute noch. Und stolz ebenfalls. Wie ein König sitzt er bei Susi Köpfli am Esstisch und verschlingt sein Katzenfutter. Bei der Audienz mit dem Regionaljournal gibt sich der Kater betont desinteressiert und zeigt der Kamera lieber sein Hinterteil.

(Regionaljournal Sommerserie, 07:32 und 17:30 Uhr, Quelle Titelbild: Olten Tourismus)