Die Schriftstellerin Silja Walter und das Kloster Fahr

Seit 900 Jahren existiert das Kloster Fahr. Früher lag es in völliger Einsamkeit an der Limmat. Längst aber ist es umgeben von der Agglomeration Zürich. In diesem Kloster lebte die Schriftstellerin Silja Walter. Sie starb 2011 im Alter von 91. Dem Kloster hinterliess sie ein Erbe, das nachwirkt.

Ruhe – das ist in diesen Tagen ein Fremdwort im Kloster Fahr zwischen Dietikon und Unterengstringen. Handwerker gehen ein und aus. Das Kloster wird total saniert. Fenster werden ersetzt und alle Leitungen neu verlegt.

Die Schwestern haben ihre Klausen im alten Teil des Klosters verlassen. Sie wohnen jetzt in der Bäuerinnenschule. Das ist ein Gebäude aus den 60er-Jahren. Küche, Zimmer, Aufenthaltsräume: Alles ist vorhanden. So gesehen ist die Schule ein Glücksfall für die Schwestern. Sie müssen während der Sanierung nicht ins Exil gehen.

«  Alle Optionen sind offen, es ist alles im Umbruch. »

Priorin Irene

Allerdings: Die Schule ist auch eine Hypothek für das Kloster. Vor zwei Jahren wurde sie aufgelöst. Sie hatte sich überlebt. Nun ist die Frage, was mit den Gebäuden geschieht, wenn die Schwestern wieder im alten Teil des Klosters wohnen.

Die Schule abreissen? Oder umbauen in eine Herberge? Oder vielleicht einen Seminarbetrieb organisieren? «Alle Optionen sind offen», sagt Priorin Irene. «Es ist alles im Umbruch.»

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Silja Walter, Schwester Hedwig

Silja Walter, Schwester Hedwig

Silja Walter (1919–2011) entstammte der Verleger- und Schriftstellerfamilie Walter aus dem Kanton Solothurn. 1948 trat sie ins Kloster Fahr ein, wo sie Schwester Hedwig wurde. In den 63 Jahren im Kloster schrieb sie Gedichte, Mysterienspiele, Lieder und Singspiele. Gegenstand ihres Schreibens war immer die Suche nach dem Sinn des Lebens, nach Gott.

Damit meint sie nicht nur die Sanierung, sondern das Kloster allgemein. Priorin Irene ist vor 26 Jahren ins Kloster Fahr eingetreten. Seither gab es keine Neuzugänge mehr. Im Kloster leben heute 21 Schwestern. Es hätte aber Platz für 30.

Bei der Sanierung wird Wert darauf gelegt, dass die Zimmer barrierefrei sind. Das heisst, Schwellen werden entfernt. «Es gibt halt Schwestern mit Rollatoren», sagt Priorin Irene dazu.

Spiritualität ist gefragt

Das Fahr ist im Vergleich zu anderen Klöstern sehr bekannt. Das hat damit zu tun, dass es im bevölkerungsreichen Limmattal liegt. Viele Wanderwege, Velostrecken und Joggingrouten führen zum Kloster.

Und wesentlich zum hohen Bekanntheitsgrad trägt auch die berühmte Schwester Hedwig bei, Silja Walter. Ihre Werke werden im Klosterladen verkauft. Aber wichtiger noch: Die Werke werden gepflegt. Die Lieder und Hymnen von Silja Walter sind fester Bestandteil des Klosterlebens.

Und doch ist das Kloster überaltert, die Zukunft ungewiss. Priorin Irene glaubt aber daran, dass das Fahr als Ort der Spiritualität weiterleben wird. In welcher Form, das müsse sich aber noch herauskristallisieren.

Ihr ist klar: Dass sich jemand dafür entscheidet, für immer in ein Kloster zu gehen, wird die ganz grosse Ausnahme sein.

«  Vielleicht gibt es einmal ein Modell mit einem engeren Kreis, der hier stabil ist. »

Priorin Irene

Aber Priorin Irene kann sich vorstellen, dass Frauen sozusagen auf Zeit ein klösterliches Leben führen wollen. Sie sagt es so: «Vielleicht gibt es einmal ein Modell mit einem engeren Kreis, der hier stabil ist. Und anderen Kreisen, mit unterschiedlichen Verbindlichkeiten, wie man im Kloster mitleben und mitwirken will.»

(Regionaljournal Sommerserie, 07:32 und 17:30 Uhr)