Zum Inhalt springen

Header

Audio
Was nicht verbrennt, wird Schlacke: Wie die Kebag in Zuchwil damit effizienter umgehen will
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 07.08.2020.
abspielen. Laufzeit 01:35 Minuten.
Inhalt

Kehrichtverwertung optimieren Abfall wird immer effizienter verwertet

Was nicht ins Recycling geht, wird in der Schweiz verbrannt. Das Ziel dabei ist viel Energie und wenig Restabfall.

Sie wird eine Premiere sein, die neuste Kehrichtverwertungs-Anlage (KVA) der Schweiz, die seit Mai im solothurnischen Zuchwil gebaut wird: Mit einem neuen Verfahren soll weniger Restabfall zurückbleiben, der auf die Deponie muss.

Ascheähnliches Material - schwarz - in einem Bunker aus Beton
Legende: Was im Kehrichtofen nicht verbrennt, landet zuerst im Schlackenbunker. Eine Aufnahme aus der KVA Hagenholz in Zürich. Keystone

Nicht alles verbrennt bei über 1000 Grad im Kehrichtofen. Zurück bleiben unter anderem Glas und Metall. «Durchaus auch Wertvolles, bis hin zu Silber und Gold», sagt Markus Juchli von der Kebag, die in Zuchwil eine KVA betreibt und daneben eine neue baut.

Das Ziel ist: möglichst viel Wertvolles herausholen und den Restabfall auf ein Minimum reduzieren. Wie man das am besten tut, ist umstritten.

Es gibt in der Schweiz zwei Lager: die ‹Trockenen› und die ‹Nassen›.
Autor: Markus JuchliDirektor Kebag

Man kann die Schlacke nass machen, wenn sie aus dem Ofen kommt, die meisten KVA der Schweiz machen das so. Die Anlage in Zuchwil wird die erste sein, die von Anfang an voll auf die trockene Verarbeitung setzt.

Graue trockene Masse mit zahlreichen Metallteilen
Legende: In dieser trockenen Schlacke steckt noch viel Metall. Eine Aufnahme aus der KVA in Hinwil. Keystone

Wenn man die Schlacke nicht nass mache, verklumpe sie nicht, erklärt Kebag-Direktor Juchli. «So kann man das Material besser sortieren und die Metalle in grösserer Menge und Reinheit herausholen.» Zudem bleibe weniger Schlacke übrig, die man auf eine Deponie bringen müsse. Warum machen es dann nicht alle so?

Den Staub muss man im Griff haben.
Autor: Markus JuchliDirektor Kebag

Weil ‹trocken› auch Nachteile hat: «Das Problem ist der Staub, das muss man im Griff haben.» Zudem sei die Technologie noch recht neu. Wenn die Anlage in Zuchwil 2025 in Betrieb geht, will Markus Juchli die ‹Nassen› in der Branche davon überzeugen, dass ‹trocken› besser sei im Umgang mit der Schlacke.

Mehr Energie

Auch in Bern gibt es Neuigkeiten zur effizienten Kehrichtverwertung: Im September beginnen die Installationsarbeiten für ein Pilotprojekt mit Namen «Geospeicher» (nicht zu verwechseln mit Geothermie). Hier geht es darum, die Wärme noch besser zu nutzen, die beim Verbrennen des Kehrichts entsteht.

Zahlreiche Rohre und Gestelle aus Metall, dazwischen dampft es aus einem Rohr
Legende: In der Turbinenhalle der Energiezentrale Bern: Hier treibt Dampf Turbinen an, die Strom produzieren. zvg/EWB

Die Berner KVA gehört mit ihren 8 Jahren zu den modernsten, trotzdem geht noch viel Wärme durch die Kamine verloren. Sie ist zu wenig heiss fürs heutige städtische Fernwärmenetz, ein neues Netz wird sie hingegen brauchen können. Jedenfalls im Winter. Doch wohin mit der Wärme im Sommer?

Wir möchten die Wärme des Sommers im Boden speichern und sie im Winter nutzen.
Autor: Roland HedigerLeiter Energieproduktion bei EWB

Die Wärme soll im Erdreich gespeichert werden, sagt Roland Hediger, beim Unternehmen Energie Wasser Bern (EWB) zuständig für die Kraftwerksanlagen. In rund 500 Metern Tiefe wird das Gestein auf etwa 60 Grad aufgeheizt. «Im Winter möchten wir diese Energie aus dem Boden holen und sie ins Fernwärmenetz einspeisen.»

Wie aus Abfall Energie wird

Box aufklappenBox zuklappen

Einmal angezündet, brennt im Kehrichtofen das Feuer rund um die Uhr, ohne zusätzliche Brennstoffe.

Der Ofen ist umgeben von Rohren, die aneinander geschweisst sind. Darin zirkuliert Wasser. Dieses erhitzt sich durch das Feuer und wird dabei zu Dampf, der Turbinen antreibt.

Die Turbinen produzieren Strom. Und je nach Bedarf wird mit einem Teil des Dampfes das abgekühlte Wasser aus dem Fernwärmenetz aufgeheizt.

Übrigens: Auch wenn der Kehricht offensichtlich brennt – in der Branche spricht man nicht von ‹verbrennen›. «Verbrennen hat so einen negativen Nachgeschmack», findet Roland Hediger. «Wir verwerten das Material thermisch und nutzen die Energie, die im Abfall steckt.»

Audio
Wie aus dem Kehrichtsack Strom oder Wärme wird: Besuch der Berner Kehrichtverwertungsanlage
08:06 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 05.08.2020.
abspielen. Laufzeit 08:06 Minuten.

Der Weg des Abfalls

Box aufklappenBox zuklappen
Der Weg des Abfalls

Was befindet sich alles in unserem Abfall? Und was passiert damit? Eine Serie wühlt im Abfallsack.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 31.7./7.8.2020, 06:32/ Uhr17:30 Uhr, haee;pret

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Nick Schaefer  (Nick Schaefer)
    In einer Kreislaufwirtschaft würden Hersteller & Wiederverkäufer bei Strafe verpflichtet, jedes Produkt gratis zurückzunehmen, und vollständig wiederzuverwerten (also nicht verbrennen oder "end"lagern).

    Niemand käme mehr auf die Idee, massenweise Verpackung anzubringen, oder Materialien in fast untrennbaren Schichten zusammenzuschweissen (wie in Milchverpackungen oder Autos).

    Man würde sich auf wenige, sortierbare Materialien einigen, die Umweltkosten verschwinden, Gesamtkosten sinken.
  • Kommentar von Nick Schaefer  (Nick Schaefer)
    Weil man pro Tonne Abfall fürs Verbrennen ganz heftige Gebühren erheben darf, ist das für die Betreiber ein Bombengeschäft.

    Ist die KVA einmal gebaut, muss sie natürlich auch amortisiert werden.

    Womit niemand an den Schalthebeln auch nur die geringste Lust hat, den Abfall von Anfang an zu vermeiden, oder in die Wiederverwertung in einer Kreislaufwirtschaft zu führen.

    Womit unsere KVA den Klimawandel und die Gletscherzerstörung befeuern.

    Wir brauchen sofort die Kreislaufwirtschaft.
  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    "Verbrennen hat so einen negativen Nachgeschmack" - ja, Verbrennen ist negativ, darüber sollte man sich von einem schöneren Wort nicht täuschen lassen. Je weniger Abfall verbrannt werden muss, desto besser.