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Zwei Fussballfelder für die Waldforschung
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 03.07.2020.
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Klimawandel und Wassermangel Mit dem Kran über dem Blättermeer

Im grössten Waldlabor Europas untersuchen Forscher, wie Bäume mit dem Klima der Zukunft fertig werden.

«Ein grosser Waldbaum braucht an einem heissen Tag bis zu 500 Liter Wasser»: Dies sagt Ansgar Kahmen, Botaniker und Professor für Umweltwissenschaften an der Universität Basel. In den nächsten Jahrzehnten dürften aber viele Bäume weniger Wasser bekommen - KlimaforscherInnen sagen voraus, dass in den kommenden 60 Jahren rund ein Viertel weniger Regen fällt und die Temperaturen zwischen zwei und fünf Grad steigen – je nach Berechnungsmodell.

Ansgar Kahmen und sein Team untersuchen, wie sich diese klimatischen Veränderungen auf den Wald auswirken. Sie tun dies auf einem Waldhügel bei Hölstein im Baselbiet. 1,6 Hektaren Wald sind dort mit einem Zaun eingegrenzt, rund 600 Bäume feinsäuberlich nummeriert.

Es ist ein richtiges Waldlabor - und ihnen böte sich da eine einzigartige Chance, sagt Ansgar Kahmen. Das Waldstück im Baselbieter Jura ist speziell artenreich, die Forscher können 14 verschiedene Baumarten untersuchen - so viele wie noch nie zuvor bei einem Waldforschungsprojekt in Europa. Einzigartig am Projekt ist auch die Dauer: Es ist auf 20 Jahre angelegt.

Bäume sind nun mal keine kleinen Pflanzen.
Autor: Matthias ArendWissenschaftlicher Leiter

Ein wichtiger - und der auffälligste - Bestandteil des Projekts ist ein 50-Meter hoher Baukran, eine Spezialanfertigung. Weitherum sichtbar steht er in der Mitte des Versuchsgeländes. Er bringt die Forschenden per Gondel in die Baumkronen, wo sie Veränderungen am Laub beobachten und Experimente durchführen.

«Bäume sind nun mal keine kleinen Pflanzen», sagt Matthias Arend, der wissenschaftliche Leiter des Projekts, «und wenn wir die Bäume verstehen wollen, müssen wir in ihre Kronen, wo die Blätter oder Nadeln sind.» Viele Schäden sehe man denn auch nur von oben. «Eine Buche kann von unten grün und gesund aussehen, wenn wir aber hochfahren, sehen wir viele trockene, tote Äste», sagt Arend.

Grosse Schäden, insbesondere an Buchen und Fichten, richtete der Hitzesommer 2018 an. Ausgerechnet in dieser Zeit ging das Baselbieter Waldexperiment richtig los. Auch auf der Versuchsfläche gingen diverse Bäume ein. Das sei natürlich bedauerlich, sie hätten dadurch aber auch ganz viel Anschauungsmaterial gehabt, sagen die Uniforscher. «Wir haben im Hitzejahr 2018 enorm viel gelernt, viele Fragen sind jedoch noch offen», sagt Projektleiter Ansgar Kahmen.

So wüssten sie zwar, dass Fichten und Buchen am stärksten unter der Trockenheit leiden und im Wald der Zukunft - zumindest in den tiefen Lagen der Schweiz - wohl kaum eine Zukunft haben. Ob Eichen und Tannen in einem wärmeren und trockeneren Klima überleben, müssten sie erst noch weiter untersuchen. Eine ganz wichtige Frage sei auch, ob sich langlebige Organismen wie die Bäume den Klimaveränderungen anpassen können.

Für ihre weiteren Untersuchungen stellt das Team der Uni Basel nun Dächer auf. Fast die Hälfte des Bodens wird mit sechs verschiedenen Dächern in zwei bis drei Metern Höhe abgedeckt. Die Öffnungen in den Dächern werden so gesteuert, dass die Bäume rund einen Viertel weniger Regen bekommen, die Forscher simulieren also über Jahre hinweg das trockenere Klima der Zukunft.

Visualisierung
Legende: Solche Dächer mit automatisch schliessbaren Lamellen, sorgen bald für die künstliche Trockenheit. Uni Basel

Die Ergebnisse des Hölsteiner Waldprojekts sollen Waldbesitzern und Förstern helfen zu entscheiden, welche Bäume sie heute setzen sollen, damit diese in 100 Jahren in einem wärmeren Klima noch stehen.

Solange man noch nicht genau weiss, welche Bäume resistent sind gegen Trockenheit, empfiehlt Ueli Meier vom Amt für Wald beider Basel, ganz unterschiedliche Bäume zu pflanzen: Eichen, Nussbäume, aber auch seltene Arten wie die Elsbeere oder den Speierling, oder «Exoten» wie die Douglasie. Es sei quasi ein Ausprobieren - in der Hoffnung, dass dann immerhin ein Teil der Bäume die klimatischen Veränderungen gut überstehen.

Leidenschaft Holz

Mann zersägt Stamm
Legende:Keystone

Holz ist vielfältig, das Material wichtig für die Schweizer Wirtschaft: Eine Serie rückt Menschen ins Zentrum, die mit Holz arbeiten.

Regionaljournal Basel, 13.7./17.07.2020, 17:30 Uhr

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