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Legende: Audio Wie die Menschen rund um den Urnerboden leben und arbeiten abspielen. Laufzeit 13:43 Minuten.
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 17.07.2019.
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Leben auf der Alp «Hier oben lebt man näher zusammen»

Die Alpbewohner hirten nicht nur die Tiere und stellen Käse her, sie sorgen auch dafür, dass die Hänge nicht verwalden.

Sie halten im Sommer die Stellung in den Alpen, egal ob es stürmt oder heiss ist, die Frauen und Männer der 6800 Alpbetriebe in der Schweiz. Sie sorgen nicht nur dafür, dass ihre Tiere gutes Gras und Kräuter bekommen, sondern sorgen auch dafür, dass die Hänge nicht verwalden und verbuschen.

Die Familie Gisler aus Altdorf im Kanton Uri geht seit 12 Jahren mit ihren vier Kindern und den 40 Kühen, Rindern und Kälbern auf die Alp Heidmanegg. Das Leben in den Bergen sei hart, sagt Robi Gisler, aber trotzdem freuen sie sich jedes Jahr wieder auf's neue auf den Sommer. «Für mich ist es ein Weggehen aus der Hektik in die Ruhe und die Natur,» meint er. Auch seine Frau, Barbara geniesst das Alpleben: «Man lebt näher zusammen, die Familie arbeitet zusammen. Es ist ein Erlebnis für uns alle.»

Auch wenn das Leben in den Bergen nach Idylle pur aussieht, gibt es auch weniger Erfreuliches. Das sei vor allem die lange Präsenzzeit, meint Barbara Gisler. Die Arbeit beginne um 5 Uhr morgens und dauere bis in den späten Abend hinein. Die Arbeit habe sich in all den Jahren nicht gross verändert, ausser dass sie jetzt eine Käserei in der Nähe hätten, wo sie ihre Milch hinbringen können.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Alpkäserei Urnerboden wurde vor fünf Jahren eröffnet. Möglich wurde das Projekt, weil alle Betreiber der 50 Alpbetriebe auf dem Urnerboden zusammengestanden waren. Die Gemeinschaftskäserei hat vor allem ein Ziel, es soll deutlich mehr Milch vor Ort verarbeitet werden. So steigt die Wertschöpfung und es bleibt mehr im Portemonnaie der Älpler.

Mittlerweile werden an Spitzentagen 18'000 Liter Milch angeliefert, die von vier Mitarbeitern zu Käse, Joghurt und Butter verarbeitet werden.

Gäste bewirten statt Kühe melken

Die Alp Heidmanegg ist auf rund 1900 Metern im Urner Schächental gelegen, kurz vor dem Klausenpass. Ein idyllischer Flecken Erde, eingebettet in grüne Hänge, darüber steile Felsen.

Eine kleine Wirtschaft in den Bergen mit Tischen auf der Terrasse. Daneben stehen gelbe Sonnenschirme.
Legende: Philippe Weizenegger/SRF

In einer kleinen Siedlung gibt es hier zwei Alpbetriebe und ein Alpbeizli. Früher gab es noch zwei Alpbetriebe mehr, doch ein Älpler hat sein Haus mittlerweile verkauft. Und auch Bernadett und Toni Arnold haben nach der Pensionerung mit dem Älplerleben abgeschlossen. Aber der Heidmanegg sind sie treu geblieben – und nun seit zehn Jahren als Wirtepaar auf der Alp aktiv.

«Nur auf dem Liegestuhl zu liegen, das ist nichts für uns», meint Bernadett Arnold lachend. Statt Tiere und Weiden zu bewirtschaften, verköstigen sie nun Wanderer und Ausflügler. «Man weiss nie, wie viele Leute kommen. Ob nur eine Handvoll oder über 200 – wir erleben alles.»

Weniger Sömmerungsbetriebe mit immer mehr Tieren

Ein Rückgang bei den Alpbetrieben, das ist ein Trend in der ganzen Schweiz. Ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Flächen sind aber immer noch Alpflächen, und die Anzahl Tiere, die in den letzten Jahren zur Sömmerung auf die Alpen gebracht werden, hat in den vergangenen Jahren gar leicht zugenommen.

Ein Kuh schaut aus einem Stall.
Legende: Mutterkühe liegen bei den Alpbetrieben im Trend. Dies wegen den höheren Sömmerungsbeiträgen, welche Folge der Agrarpolitik 2014 sind. Silvio Liechti / SRF

Lag der sogenannte Normalbesatz 2003 noch bei 316 000, so stieg die Zahl bis 2017 auf rund 320 000 an. Der Normalbesatz ist eine Einheit für die Anzahl Nutztiere. Ein Normalbesatz entspricht einer Milch- oder Mutterkuh, die 100 Tage gesömmert wird, was wiederum beispielsweise vier Schafen oder fünf Ziegen gleichkommmt. In absoluten Zahlen ausgedrückt sind es wohl über 600'000 Nutztiere, die im Sommer auf der Alp sind.

Allerdings gibt es folgende Trends:

  • Die Zahl der Milchkühe und des Jungviehs hat tendenziell abgenommen.
  • Die Zahl der Mutterkühe hat seit 2000 aber stark zugenommen.
  • Die Anzahl gesömmerter Schafe nahm leicht ab.

Die Entwicklung bei den Kühen ist ein Abbild der Entwicklung bei den Tal- und Bergbetrieben. Viele Milchkuhhalter haben die Milchproduktion aufgegeben und auf die Haltung von Mutterkühen umgestellt. Bei den Schafen ist die Sömmerung relativ aufwändig, weil die Betreuung und der Herdenschutz sehr wichtig geworden sind.

Die Zahl der Sömmerungsbetriebe nimmt seit vielen Jahren laufend ab. Grund dafür ist vor allem das Zusammenlegen von Alpen oder Betrieben. Das hat zur Folge, dass sie grösser werden.

Zusammenleben in der Schweiz

Von A wie Alpleben bis Z wie Zwischennutzung: In einer Serie stellen wir in diesem Sommer weitere Lebensgemeinschaften in den verschiedenen Regionen der Schweiz vor.

SRF 1, Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr; joel/weip

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