Kampf ums Überleben Schulstreit im Wynental: Zwei Gemeinden kämpfen um jeden Schüler

Das Aargauer Wynental ist eine ländliche Gegend. Seit 1832 aber gibt es in der Region eine Bezirksschule - diese entspricht in etwa den Progymnasien in anderen Kantonen. Die Bezirksschule in Reinach blickt also auf eine sehr lange Tradition zurück.

Auch in Unterkulm gibt es eine Bezirksschule, welche fast so alt ist wie die Schule in Reinach. Die beiden Oberstufen-Standorte liegen rund 10 Kilometer voneinander entfernt. Die Schulen existierten jahrelang friedlich nebeneinander. Doch in den letzten Monaten ist der Frieden im Tal gestört.

Demonstranten mit Transparenten in Aarau Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Keystone

Die Kantonsregierung und das Parlament haben Sparmassnahmen beschlossen. Auch grosse Protestkundgebungen im November 2016 in Aarau (Bild) konnten die neuen Vorgaben nicht verhindern. Unter anderem gilt nun: Eine Bezirksschule darf nur noch führen, wer mindestens sechs Klassen füllt, mit je mindestens 18 Schülerinnen und Schülern. Damit ist der Standort Unterkulm akut gefährdet.

Die Schulen in Reinach und Unterkulm kämpfen nun vor allem um Kinder aus den Gemeinden Gontenschwil und Zetzwil. Bis anhin konnten die Schüler hier frei wählen, welche Bezirksschule sie besuchen wollen. Der Streit zwischen den Schulen eskalierte: Am Schluss brachen die Gemeinderäte von Kulm und Reinach sogar ihre politischen Beziehungen ab.

Bildlegende:Die Schulen in Reinach und Unterkulm kämpfen nun vor allem um Kinder aus den Gemeinden Gontenschwil und Zetzwil. srf

Inzwischen ist der Streit geschlichtet: Der kantonale Bildungsdirektor hatte sich eingemischt und einen «Deal» vermittelt. Die Details müssen zwar noch ausdiskutiert werden, aber eine Lösung ist in Sicht. Schülerinnen und Schüler im Tal werden künftig zwischen mehreren Gemeinden «hin- und hergeschoben», damit die Bezirksschul-Standorte Reinach und Unterkulm gerettet werden können.

Drei Jungs vor einer Bretterwand Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Privatarchiv Maurice Velati

SRF-Redaktor Maurice Velati ist froh, dass er in seiner Schulzeit die Bezirksschule noch selber auswählen konnte (Bild: Aufnahme aus dem Klassenlager 1992 im Berner Oberland). Hätte er nach Unterkulm in die Schule müssen, wäre sein Schulweg genau doppelt so lang gewesen. Aber nach Gesprächen im Tal ist auch dem Autor klar: «Sparen braucht Opfer.» Eltern und Kinder müssen ihre persönlichen Wünsche etwas hinten anstellen, wenn sie beide Schulstandorte im Tal erhalten wollen.

(SRF1, Regionaljournal 6.32/17.30 Uhr)