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Zentralschweiz Anwohner wehren sich gegen die Enteignung

In der Luzerner Gemeinde Weggis wohnen rund zehn Personen in einem Gebiet, das von Felsstürzen bedroht ist. Laut der Gemeinde ist es zu gefährlich, dort zu wohnen. Daher möchten die Behörden die Anwohner am liebsten enteignen. Die Anwohner wehren sich dagegen.

Legende: Video Anwohner wehren sich gegen die Enteignung abspielen. Laufzeit 03:03 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 29.01.2014.

Weggis liegt idyllisch am Vierwaldstättersee. Wenn da nicht das Felsband oberhalb der Gemeinde wäre. Diese Nagelfluhfelsen sind gefährlich, erklärt der Felstechniker Röbi Küttel: «Dieses Felsband besteht aus Nagelfluh und Mergel. Der Mergel zersetzt sich an diversen Stellen. Das führt dazu, dass der Fels instabil wird.» Diese instabilen Felsen bedrohen das Gebiet Horlaui, das bewohnt ist.

Und genau das macht der Gemeinde Weggis Sorgen. «Erste Studien zeigen deutlich, dass diese Häuser eigentlich nicht bewohnbar sind. Selbst wenn wir technische Sanierungen vornehmen, ist es zu gefährlich, sich dauerhaft in diesem Gebiet aufzuhalten», erklärt der Gemeindeammann Baptist Lottenbach gegenüber SRF.

Häuser an Lagen, in denen heute keine Baubewilligung erteilt würde

Es stellt sich die Frage, warum in diesem Gebiet, das erheblich von Felsstürzen gefährdet ist und daher in der Gefahrenkarte rot eingezeichnet ist, überhaupt Häuser stehen. «Diese Häuser stehen an bester Lage mit Sicht auf See und Berge. Diese Häuser wurden in den 1960er Jahren gebaut – zu Zeiten, als es noch kein Raumplanungsgesetz gab und keine Gefahrenkarte.»

Nach den Unwettern der letzten Jahre, beurteilen die Behörden die Gefährdung anders. Erste Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Kostenwirksamkeit von umfassenden Felssicherungs- und Abbaumassnahmen nicht gegeben sei.

Anwohner kämpfen gegen Enteignung

Die Anwohner, die teilweise seit über vierzig Jahren in diesen fünf Häusern im Gebiet Horlaui wohnen, glauben nicht, dass die Gefahr so gross ist. «Man muss die Gefahr sicherlich im Auge behalten. Aber ich denke nicht, dass es angebracht ist, dass die Gemeinde uns aussiedelt oder enteignet,» sagt Hans C. Berger, der seit vierzehn Jahren dort lebt.

Auch der Landwirt Sepp Imgrüth aus Weggis, dessen Schafe im besagten Gebiet weiden, versteht die Aufregung um das Gebiet Horlaui nicht. «Manchmal löst sich ein Stein, aber etwas Schlimmes hat sich bisher noch nie ereignet. Darum würde ich hier auch selber wohnen und nicht nur meine Schafe weiden lassen.»

Weggis steht vor Millionen-Investitionen

Weil der Widerstand der Anwohner derart gross ist, macht die Gemeinde zusätzliche Abklärungen und hofft, im Frühjahr mit den Betroffenen die verschiedenen möglichen Varianten besprechen zu können. Das Gebiet Horlaui ist eines von drei Gebieten, welches in der roten Gefahrenzone steht. Um die Gemeinden gegen mögliche Felsstürze zu schützen, stehen in allen Gebieten in den nächsten zehn Jahren Investitionen im Rahmen von rund 21 Millionen Franken an.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach BL
    Falls es zu einem Felssturz kommt und jemand getötet wird, sind diese Personen selber Schuld. Die Gemeinde hat die Gefahr erkannt und möchte schlimmes verhindern. Vieles hat sich verändert, was Gestern noch in Ordnung war, kann es Heute vielleicht nicht mehr sein. Es gibt immer eine Lösung, damit alle damit Leben können.
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  • Kommentar von M. Bucher, Thalwil
    Wer Ja sagt, muss auch die Konsequenzen tragen. Wenn die Gemeinde Weggis schon Baubewilligungen erteilt, hat diese Gemeinde gefälligst die Konsequenzen zu verantworten zu tragen und zu finanzieren. Wir sind doch da nicht im alten Rom?
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