Zum Inhalt springen
Inhalt

Arbeit als Gefängnisseelsorger «Dass man in schwierige Situationen kommt, gehört dazu»

Eugen Koller hat selber jahrelang als Gefängnis-Seelsorger gearbeitet und kennt die Herausforderungen.

Legende: Audio Gespräch mit Eugen Koller, ehemaliger Gefängnis-Seelsorger (29.09.2017) abspielen. Laufzeit 06:26 Minuten.
06:26 min

Der Luzerner Eugen Koller arbeitet als Theologe und als Radio-Prediger bei Radio SRF. Bis im letzten Jahr war er aber als Seelsorger im Gefängnis Biberbrugg im Kanton Schwyz angestellt.

Er kennt die Arbeit bestens und verfolgt den Fall des verurteilten Seelsorgers des Krienser Grosshofs interessiert mit: «Die Situation eines Berufskollegen hat mich sehr betroffen gemacht.» Er hätte erwartet, dass dieser Mann selber den Riegel vorgeschoben hätte.

Er hätte nicht mehr zu den betroffenen Gefangenen gehen oder sich Hilfe holen sollen.
Autor: Eugen KollerEhemaliger Gefängnis-Seelsorger Biberbrugg

Der Fall Grosshof

Der ehemalige Seelsorger der Krienser Strafanstalt Grosshof hat seine Stellung zu Gunsten von Häftlingen missbraucht und eine Gefängnis-Insassin sexuell bedrängt. Dies wurde am Dienstag bekannt. Er ist rechtskräftig verurteilt worden und wurde per sofort entlassen. Der Mann war auch in einer katholischen Kirchgemeinde des Kantons Luzern tätig. Bischof Gmür wird demnächst über die Zukunft entscheiden.

Auch er habe die Situation erlebt, dass weibliche Gefangene ihm offensichtliche sexuelle Avancen gemacht hätten: «Das habe ich schon wahrgenommen. Aber da darf man nicht reagieren.» Man müsse sich abgrenzen können in dieser Aufgabe. «Ich bin jeweils mit dem Zug nach Hause gefahren, und habe mich dann umgezogen.» Wenn ihm dann zwischendurch mal wieder ein Insasse in den Sinn gekommen sei, sei das auch okay gewesen:

Ich hab dieser Person dann einen guten Gedanken geschickt, das ist doch gut so.
Autor: Eugen Koller

Derweil werden im Krienser Gefängnis Grosshof verschiedene Massnahmen eingeleitet:

  • Eine Stellvertretung hat die Aufgabe des Seelsorgers übernommen.
  • Per sofort werden weibliche Gefangene nicht mehr in ihrer Zelle besucht, sondern in einem offenen Raum in Anwesenheit einer weiteren Mitarbeiterin.
  • Nun stehe man in Kontakt mit anderen Gefängnissen und bringe in Erfahrung, welche Handhabung diese haben.

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.