«Das war wie ein Faustschlag ins Gesicht»

Am vergangenen Montag wurde verkündet: Das deutsche Management der Boa AG in Rothenburg verlagert die Produktion per Ende April 2014 ins Ausland. Die betroffenen 146 Angestellten werden ihre ausländischen Nachfolger einarbeiten und sollen bis zur Schliessung zusätzliche Lagerbestände aufbauen.

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Bildlegende: Boa-Personalchef André Blättler durchlebt eine turbulente Zeit: 146 Angestellte verlieren ihre Stelle, darunter auch er. SRF

Die Boa AG in Rothenburg hat eine lange Tradition: Vor über 100 Jahren fing alles mit der Produktion metallener Duschschläuche an. Unterdessen sind flexible Metallschläuche, die zum Beispiel als Treibstoffschläuche verwendet werden, nur ein Standbein der Boa AG.

Am vergangenen Montag hiess es nun seitens des deutschen Managements, in Rothenburg zu produzieren sei nicht mehr wirtschaftlich. Deshalb werde die Produktion per Ende April 2014 nach Nordfrankreich, an den Hauptsitz nach Deutschland und nach Osteuropa verlagert. Die Konsequenz: In Rothenburg verlieren 146 Personen ihre Stelle. Lediglich rund 20 Angestellte können bleiben. Sie werden unter anderem in den Bereichen Beratung und Verkauf arbeiten.

«  Als ich diese Woche durch den Betrieb ging, lief es mir kalt den Rücken hinunter. »

André Blättler
Personalchef der Boa AG, Rothenburg

Die Produktion des Rothenburger Boa-Betriebs ist seit längerem nicht mehr profitabel. «Dennoch war die Nachricht über die Schliessung der Produktion wie ein Faustschlag ins Gesicht. Denn die Arbeitsmoral und die Verbundenheit der Angestellten mit dem Unternehmen war die ganze Zeit über gross», sagt Boa-Personalchef André Blättler im Interview mit dem Regionaljournal Zentralschweiz. Auch heute noch, nach dem definitiven Entscheid, sei die Arbeitsmoral ausgezeichnet. Blättler: «Als ich diese Woche durch den Betrieb ging, lief es mir kalt den Rücken hinunter. Die Leute arbeiteten als wäre nichts gewesen.»

Fliessender Übergang

In den nächsten Wochen wird für die 146 betroffenen Angestellten ein Sozialplan ausgearbeitet. Vorgesehen ist auch ein sogenannter Durchhaltebonus. Dieser soll allen voran erfahrene Mitarbeiter motivieren, den Betrieb nicht frühzeitig zu verlassen. Ausländische Boa-Mitarbeiter werden nämlich nach Rothenburg kommen und sich das Handwerk, sowie die Bedienung der Anlagen von den hiesigen Angestellten zeigen lassen. Ausserdem sollen in Rothenburg bis zum Abbau der Anlagen die Lager aufgestockt werden, damit keine Lieferausfälle entstehen.

Von der Schliessung des Boa-Werks sind auch einige Lehrlinge betroffen. Allerdings konnte für die meisten bereits eine Lösung gefunden werden. Von den übrigen Angestellten haben bisher fünf von sich aus gekündigt.