Luzerner Theater «Es fühlt sich an wie ein Sturm»

Der neue Intendant des Luzerner Theaters ist fulminant in seine erste Spielzeit gestartet. Jetzt freut sich Benedikt von Peter auf die Ferien.

SRF News: Benedikt von Peter, heute ist Ihr letzter Arbeitstag Ihrer ersten Spielzeit. Wie geht es Ihnen?

Benedikt von Peter: Ich bin sehr müde. Zum Ende der Spielzeit gibt es noch einmal viel zu tun. Man muss für die nächste Spielzeit arbeiten, aber auch Dinge der alten nachbearbeiten. Man arbeitet viel nach innen, räumt auf. Das ist anstrengend und es waren jetzt noch einmal zwei Wochen mit täglich nur vier bis sechs Stunden Schlaf.

Wenn Sie auf das vergangene Jahr schauen, was geht da in Ihnen vor?

Es fühlt sich an wie ein Sturm. Das waren neun pausenlose Monate. Wir haben viel ausprobiert. Wir hatten auch viel Glück und erfuhren viel Zuspruch. Wir hatten 20 Prozent mehr Zuschauer. Das ist ein grosses Geschenk für eine erste Spielzeit. Aber subjektiv war das ein Sturm.

Sie haben ein grosses Tempo vorgelegt. War es manchmal zu schnell?

Ich glaube, dass ich mich auch etwas überschätzt habe. Bestimmt. Ich finde aber auch, dass man die Dinge anpacken muss. Dadurch haben wir viel nach innen aber auch nach aussen bewirkt. Das war nicht ungefährlich, hat sich aber gelohnt. Es sind alle mitgegangen, und wir haben ein klares Profil gewonnen.

Das ist Benedikt von Peter

Benedikt von Peter wurde 1977 in Köln geboren, studierte in Bonn Musikwissenschaft, Germanistik, Jura und Gesang. Danach war er an verschiedenen Häusern Regieassistent und gründete ein freies Theaterkollektiv. Nach einigen Jahren in der Freien Szene inszenierte er an Theatern und Opern in Deutschland und der Schweiz. Von 2012 bis 2016 leitete Benedikt von Peter die Musiktheatersparte des Theaters Bremen. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Götz Friedrich-Preis, dem Theaterpreis «Der Faust» sowie 2014 mit dem Kurt Hübner-Preis für das Musiktheater-Programm und die eigenen Produktionen am Theater Bremen. Seit der Saison 2016/17 leitet er als Direktor das Luzerner Theater.

Was waren die grössten Herausforderungen in diesem ersten Jahr?

Ich musste persönlich zunächst diesen Beruf verstehen. Das ist meine erste Intendanz. Bis jetzt bin ich immer in dunkeln Proberäumen gesessen und habe mich mit Opern beschäftigt und im kleineren Rahmen programmiert. Aber jetzt kommen ganz neue Bereiche dazu. Das Theater ist ein grosser Betrieb mit 350 Stellen. Wir sind unter den 100 grössten Betrieben der Zentralschweiz. Jetzt habe ich plötzlich mit Wirtschaft und Politik zu tun. Ich bin jetzt CEO eines mittelständischen Unternehmens. Das ist neu für mich, und ich musste auch noch viel lernen.

Sie sind mit der ersten Produktion «Prometeo» fulminant gestartet. Die Zuschauer gelangten durch eine neue Treppe und ein Fenster in den Theaterraum. Das war wortwörtlich ein neuer Zugang zum Theater. Konnten Sie das damals abgegebene Versprechen im Verlaufe der Saison einlösen?

Das müssen andere beurteilen. Ich finde aber, dass in diese Richtung viel passiert ist. Wir hatten auch andere Raumtheaterformen, die immer einen anderen Zugang ermöglichen. Beispielsweise die Box auf dem Platz vor dem Luzerner Theater. Räume haben etwas mit Zugang zu tun.

Im Musiktheater gab es viele bleibende Aufführungen. Da wurde viel ausprobiert. Es gab auch viel Spektakel. Hört man da Ihr Musiktheaterherz schlagen?

Ja, ich habe diese Aufführungen geliebt. Einige bleiben auch im Programm. «La Traviata» kommt wieder, auch die Zauberflöte. Das waren alles sehr spezielle Sachen für mich, an die ich gerne zurückdenke.

Wie hat die ganze Spardebatte im Kanton Luzern, von der auch das Luzerner Theater betroffen war, Ihre Arbeit beeinflusst?

Sehr. Man muss sich vorstellen, man macht einen Neustart, macht innen und aussen alles neu und dann ist die Zukunft nicht gesichert. Das war eine extreme Last. Andere Intendanten erleben eine solche Sparmassnahme nach zwanzig Jahren Arbeit zum ersten Mal. Bei mir war am zweiten Tag der Spielzeit die Salle Modulable tot und das Sparpaket KP17 war da. Das war der Anfang der Spielzeit. Das war natürlich sehr hart. 1,2 Millionen Franken zu sparen, ist enorm viel. Das heisst, man müsste eine Sparte schliessen oder das Haus ganz neu strukturieren. Dank der Zusammenarbeit mit Stadt und Kanton steht jetzt aber eine Übergangsfinanzierung im Raum. Greift die, wird es nicht ganz so hart.

Schauen wir noch etwas voraus. Wie ist Ihnen mit Blick auf die nächste Spielzeit zu Mute?

Jetzt freue ich mich erst mal auf die Ferien. Nein, ich freue mich schon auch auf die Spielzeit. Ich freue mich, dass wir in der ersten Spielzeit etwas Grund gelegt haben und jetzt etwas bewusster auf die Sachen schauen können. Es hilft sicher auch, dass man das Publikum kennen gelernt hat. Ich hoffe aber auch, dass die zweite Spielzeit für mich etwas ruhiger wird.

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr