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Zentralschweiz Finanzierung der Luzerner Salle Modulable ist Knackpunkt

Das neue Musik-Theaterhaus soll in unmittelbarer Nähe zum Konzerthaus KKL auf dem Inseli realisiert werden. Die höchste Hürde ist die Finanzierung des 200-Millionen-Franken-Projekts. Der Standort wird vor allem von den linken Parteien kritisiert.

Die Reaktionen auf den Standort für die neue Theaterinfrastruktur in Luzern liessen nicht lange auf sich warten. Und sie fallen mehrheitlich negativ aus. Am Dienstagvormittag hatten Stadt und Kanton Luzern sowie die Initianten der Salle Modulable über die Resultate der während eines Jahres erarbeiteten Machbarkeitsstudie informiert. Sie kommt zum Schluss, dass der Standort beim Inseli am besten geeignet sei, um ein neues Musik-Theaterhaus zu realisieren.

Legende: Video «Standortentscheid nach jahrelangem Hin und Her gefällt» abspielen. Laufzeit 4:46 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 05.04.2016.

Dank einer geschickten Positionierung des Hauses am südlichen Ende des Inselis kann der beliebte Inseli-Park samt altem Baumbestand mehrheitlich erhalten bleiben. Der Car-Parkplatz muss dagegen weichen.

Trotzdem kritisieren vor allem linke Parteien den Vorschlag. Die Juso hält in einer Stellungnahme an ihrer eingereichten Volksinitiative zur Aufhebung des Carparkplatzes und zur Erweiterung der Grünfläche auf dem Inseli fest. Die geplante Kultureinrichtung im High-Class-Bereich gefährde die Diversität und die ungezwungene Atmosphäre in dem Gebiet.

Auch für die Grünen kommt der Standort Inseli nicht in Frage. Sie bedauern, dass keine breite Vernehmlassung über die kulturellen Inhalte des neuen Theaters stattgefunden habe und der Kasernenplatz nicht als Standort geprüft worden sei.

Grünliberale äussern sich positiv

Positiver äusserten sich die Grünliberalen. Die Vision der Salle Modulable sei toll und könne ein wichtiger Meilenstein der Kulturmarke Luzern werden. Ungelöst bleibe jedoch die Frage der Finanzierung. Ausserdem zweifelt die Partei daran, ob es richtig ist, dass Luzern die bereits etablierte Kultur noch stärker unterstütze.

Die CVP gibt sich ein einer Mitteilung verhalten. Die CVP sei von der «interessanten Lösung» auf dem Inseli positiv überrascht. Die Partei unterstütze den von Regierung von Kanton und Stadt vorgeschlagenen Weg.

«Kosten sind zu hoch»

Für den Bau des neuen Theaterzentrums soll eine Stiftung gegründet werden. Die Investitionskosten werden von den Initianten auf 208 Millionen Franken veranschlagt. Rund 80 Millionen Franken sollen aus dem Erbe des Mäzens Christof Engelhorn ans Projekt fliessen.

Die Betriebskosten werden auf 31 Millionen Franken jährlich beziffert. Das heutige Luzerner Theater kostet die öffentliche Hand 24 Millionen Franken. Die veranschlagten Kosten sind für den Luzerner Regierungspräsidenten zu hoch. Er forderte von allen Beteiligten, in einer nächsten Phase die Kosten zu senken.

Sämtliche Parteien empfinden die Kosten ebenfalls zu hoch. Diese müssen dringend nochmals überdacht werden.

Volk entscheidet mit

Die Salle Modulable wird nicht ohne dass die Bevölkerung mitreden kann realisiert. In der Stadt Luzern soll das Volk erstmals am 27. November über das Projekt abstimmen. Die Parlamente von Kanton und Stadt befinden im September über den Projektierungskredit respektive den Baurechtsvertrag.

Bis Ende 2018 muss der politische Prozess abgeschlossen und ein Standort und ein Projekt genehmigt sein. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass die 80 Millionen Franken des Mäzens Engelhorn freigegeben werden. Den Betrieb aufnehmen soll das Theaterzentrum 2023.

Diverse Nutzer

Der Neubau soll verschiedenen Kulturinstitutionen eine Heimat geben. Angestossen worden war die Idee einer Salle Modulable vom Lucerne Festival, das seine Sinfoniekonzerte im KKL mit innovativem Musiktheater ergänzen möchte.

Das Luzerner Theater braucht ein neues Haus, weil sein knapp 180-jähriger Aufführungsort zu klein geworden ist und saniert werden muss. Auch das Luzerner Sinfonieorchester, die freie Szene und das Veranstaltungshaus Südpol sollen den Neubau nutzen können.

Die Geschichte der Salle Modulable

Die Geschichte der Salle Modulable
2007
Michael Haefliger, der Intendant des Lucerne Festivals präsentiert die Vision einer Salle Modulable. Er verkündet, für den Bau des neuartigen Musiktheaterhauses stünden 100 Millionen Franken einer anonymen Gönnerschaft zur Verfügung.

Die Standortsuche beginnt. Die Luzerner Musikhochschule sieht die Salle Modulable als möglichen Standort für ihren neuen Standort.
2008Das Luzerner Theater gibt die Absicht bekannt, den Betrieb in die Salle Modulable zu verlegen.
2009Es gibt vier mögliche Standorte für das Musiktheaterhaus: unter anderem der Parkplatz beim Lido.

Eine Projektierungsgesellschaft wird gegründet. Mit dabei sind Stadt und Kanton Luzern, die Stiftung Salle Modulable sowie grosse Kulturorganisationen wie das
LSO und das Luzerner Theater.

Die «Sonntagszeitung» macht den Namen Engelhorn als Spender für die Salle Modulable bekannt.
2010
Der Standort Emmenbrücke wird zur Diskussion gestellt.

Der Standort Lido wird immer wahrscheinlicher. Die Stadt will das Baurecht gratis abgeben.

Der Paukenschlag im Oktober: Die Gönner teilen mit, dass sie sich aus dem Projekt zurückziehen und das Geld nicht mehr zur Verfügung stehe. Die Stiftung Salle
Modulable kündigt eine Klage gegen den Rückzug an. Tröpfchenweise wird bekannt, dass der verstorbene Christoph Engelhorn und seine auf den Bermudas angesiedelte Stiftung die Geldgeber der Salle Modulable sind.
2012
Die Stiftung Salle Modulable erhält für den Prozess auf den Bermudas den Beistand der englischen Firma Harbour Litigation Funding. Sie ist auf grosse Rechtsfälle spezialisiert. Ausserdem übernimmt sie die Prozesskosten und erhält im Erfolgsfall einen Teil der Klagesumme.
2014
Der Supreme Court auf den Bermudas kommt zum Schluss, dass der Rückzug der Gelder unrechtmässig war. Der zuständige Einzelrichter wies die Gegenklage des Trusts ab. Der Stiftung Salle Modulable räumte er zwölf Monate Zeit ein für eine neue Machbarkeitsstudie zum Musiktheater.

Nach mehrmonatigen Verhandlungen geben die Stiftung und der Trust bekannt, dass sie den Rechtsstreit um die Finanzierung des Projekts Salle Modulable beilegen. Sie einigten sich auf einen Neustart.

Die Standortsuche geht erneut los.

3 Kommentare

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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Am besten ist es das ganze Projekt zu beerdigen. Denn wie konnte jemals Stadt u. Kanton Luzern auf die Idee kommen sich mit über 120 Mio. Fr. zu beteiligen, wenn es deren Politiker in den letzten Jahren fertig brachten Defizite u. Schulden anzuhäufen, ohne Aussicht auf Schuldenabbau? Das CH-Volk hat am 2.12.2001 mit 85% JA zur Schuldenbremse zugestimmt u. steht im Art.126 der Bundesverfassung. Auch Stadt u. Kanton haben sich dran zu hallten. Die Politik muss sich zuerst mit Sparen beschäftigen!
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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Das ganze Projekt ist abzulehnen, weil eine kleine Stadt Luzern zusätzliche 120 Mio. Fr. für einen solch fragwürdigen Bau sich weder leisten kann, noch sollte. Denn bereits beim KKL ging man damals von 150-180 Mio. Fr. aus. Es wurden weit über 230 Mio. Fr. Auch dieses Mal steckt wieder die Baulobby dahinter, weil man für 80 Mio. Fr. des Geschenks von Christof Engelhorn sehr wohl auch ohne öffentliche Gelder ein Musik-Theaterhaus bauen kann. Zudem ist Stadt und Kanton Luzern hoch verschuldet.
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  • Kommentar von Denis Kläfiger (Denis Kläfiger)
    Liebes SRF Erwähnt doch auch bitte die BDP und deren Initiative um das Inseli zu schützen. Immerhin berichten alle Luzerner Medien darüber! Am Ende gibt es eine bürgerliche Partei die ganz klar dagegen kämpft, nicht nur die JUSO!
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