SBB investieren wieder in Erstfeld - nach jahrelangem Abbau

Am Freitag hat der Bau eines neuen Zentrums für Lösch- und Rettungszüge begonnen. Von Erstfeld und Biasca aus sollen diese im Ernstfall in den Gotthard-Basistunnel einfahren. Die SBB schliesst aber gleichzeitig den Lokführerstandort Erstfeld mit 60 Angestellten.

Ewald Berchtold beim Bahnhof Erstfeld. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Lokführer Ewald Berchtold muss sich nach einem neuen Job umsehen. SRF

Erstfeld war lange Zeit das Eisenbahnerdorf schlechthin. Damit ist bald Schluss, die BLS und die SBB schliessen den Lokführerstandort Erstfeld. Dafür entsteht ein Erhaltungs- und Interventionszentrum (EIZ) der SBB. Realisiert werden eine Halle für den Lösch- und Rettungszug, ein Terminal, eine Werkhalle sowie Lagergebäude, wie die SBB am Freitag mitteilte.

60 neue Arbeitsplätze

Das Zentrum in Erstfeld kostet 53 Millionen Franken. Die Bauarbeiten sollen bis Ende 2015 dauern. Die Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels der NEAT ist ein Jahr später vorgesehen. Durch das EIZ sollen ungefähr 60 Arbeitsplätze in Erstfeld geschaffen werden.

Die älteren Einwohnerinnen und Einwohner von Erstfeld trauern dem Eisenbahnerdorf nach. Aus der ganzen Schweiz seien Bähnler nach Erstfeld gekommen, dies sei heute vorbei, heisst es auf der Strasse. Der Gemeindepräsident Werner Zgraggen sieht die Herausforderungen für die Gemeinde, gibt sich aber zuversichtlich: «Wir wussten schon länger, dass dieser Zeitpunkt kommen wird, und wir müssen lernen, damit umzugehen», erklärt er gegenüber dem Regionaljournal Zentralschweiz von Radio SRF.

Touristische Bergfahrten

Eine Hoffnung in Erstfeld heisst «SBB Historic»: Die historischen Lokomotiven sollen als touristische Attraktion weiterhin auf der Gotthard-Bergstrecke fahren und so den Geist der vergangenen Zeit wieder etwas aufleben lassen. «Wir würden gerne um die 50 Mal pro Jahr die Gotthardstrecke befahren», erklärt Ewald Bertchold. Der 51-Jährige ist Teamleiter von «SBB Historic».

Dass er nicht mehr beruflich über den Gotthard fahren wird mit den Güterzügen, bedauert Berchtold: «Die Gotthardstrecke ist speziell, und sie macht diesen Job sehr abwechslungsreich.» Was er machen wird, wenn der Standort Erstfeld geschlossen wird, sei noch unklar.