Schwyzer Mütter kämpfen für Tagesstruktur

Die Gemeinde Schwyz will keine Tagesstrukturen an der Schule einführen. Gegen diesen Entscheid wehren sich jetzt zwei junge Mütter. Sie haben für die Budget-Gemeindeversammlung einen Antrag eingereicht, und wollen so den Gemeinderat zwingen, 30‘000 Franken für Tagesstrukturen zu budgetieren.

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Mütter kämpfen für Tagesstrukturen

4:17 min, aus Schweiz aktuell vom 9.12.2014

Sibylle Annen Wyrsch und Corinne Auf der Maur sind enttäuscht. Enttäuscht vom Gemeinderat Schwyz. Dieser hat nämlich kurz vor den Sommerferien mitgeteilt, dass er keine Tagesstrukturen einführen will. Dabei hat der Gemeinderat vor knapp zwei Jahren eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die abklären sollte, ob Tagesstrukturen in Schwyz ein Bedürfnis sind. Die Arbeitsgruppe hat dies bejaht und dem Gemeinderat empfohlen, an drei Tagen in der Woche Tagesstrukturen anzubieten: «Das Modell sieht einen Mittagstisch vor. Nach der Schule gibt es Hausaufgabenbetreuung und Freizeitbeschäftigung bis um 18.30 Uhr. Das ist gemacht für Eltern die auswärts Arbeiten müssen und wollen», so Sibylle Annen Wyrsch. Kostenpunkt rund 30‘000 Franken, weitere 30‘000 Franken sollen durch Elternbeiträge beigesteuert werden.

Nachfrage ist vorhanden

Der Gemeinderat will trotz Empfehlung der Arbeitsgruppe nichts von Tagesstrukturen wissen. Gemeindepräsident Hugo Steiner von der SP: «Der Gemeinderat ist der Meinung, dass in Schwyz die Familienstrukturen noch in Ordnung sind und die Betreuung der Kinder zu Hause stattfinden kann.» Dem widerspricht Beatrice Petschen Oswald. Sie ist Geschäftsstellenleiterin des Vereins Kinderkrippe und Mittagstisch Schwyz und hat selber eine Krippe für Kinder bis 6 Jahre aufgebaut: «Das Bedürfnis ist ganz klar da, das sehen wir an den Kindern die bei uns austreten. Zum Teil müssen die Eltern dann ihre Berufstätigkeit aufgeben, weil keine Tagesstrukturen vorhanden sind.»

Sparen wegen Tiefsteuerstrategie

Die Gemeinde Schwyz will aber auch sparen, denn sie verfolgt wie der Kanton eine Tiefsteuerpolitik.Trotz Budget von jährlich 58 Millionen Franken, lägen 30‘000 Franken pro Jahr für Tagesstrukturen nicht drin. Gemeindepräsident Hugo Steiner: «Wir müssen uns überlegen welche Aufgaben und Leistungen reduziert werden, damit wir das Defizit von bis zu 5 Millionen reduzieren können. Da steht halt leider jede neue Ausgabe zur Diskussion.»

Sibylle Annen Wyrsch kann diese Haltung nicht verstehen: «Diese Strategie wird nicht aufgehen. Ich weiss dass sich heute Firmen nach solchen Tagesstrukturen ausrichten. Diese Firmen kommen gar nicht in eine Gemeinde, wenn diese Strukturen fehlen. Genauso Familien, reiche Familien, die der Gemeinde Steuereinnahmen bringen würden.»

Gemeindeversammlung entscheidet über Tagesstrukturen

Der Antrag von Sibylle Annen Wyrsch und Corinne Auf der Maur kommt an der Gemeindeversammlung vom 10. Dezember 2014 zur Abstimmung. Über Facebook, Whatsapp und in persönlichen Gesprächen versuchen die beiden Mütter möglichst viele Anhänger für ihr Anliegen zu mobilisieren.

(Schweiz aktuell, 19:00 Uhr)