Vier von fünf Obwaldner Bauern sind auf Nebenerwerb angewiesen

Wenig Verdienst, hohe Arbeitsbelastung, grosse Verbundenheit mit dem Beruf: So fasst eine neue Untersuchung die Lebenssituation der Obwaldner Bäuerinnen und Bauern zusammen. Im Schnitt verdienen sie 31'000 Franken pro Jahr, rund 80 Prozent sind auf einen Zusatzverdienst angewiesen.

Die repräsentative Analyse durch die Eidgenössische Forschungsanstalt Agroscope, Tänikon, umfasste eine wissenschaftliche Auswertung der Buchhaltungszahlen 2010-2012. Untersucht wurden die anonymisierten Steuerdaten von 523 Bauernbetrieben, welche Direktzahlungen erhalten.

Erste Erhebung dieser Art

Insgesamt ergibt sich daraus für die Obwaldner Bauernfamilien ein durchschnittliches Haushalteinkommen von gut 63'000 Franken. Rund die Hälfte davon, gut 32'000 Franken, erwirtschaften sie mit einem Erwerb ausserhalb der Landwirtschaft.

«Uns hat erstaunt, dass die Obwaldner Landwirte mit ihrem Nebenerwerb gleich viel verdienen, wie mit der Landwirtschaft», sagt Agroscope-Forschungsleiter Markus Lips. «Das ist gesamtschweizerisch anders.» Laut Agroscope wurden erstmals die Daten eines ganzen Kantons auf diese Weise ausgewertet.

Grosse Arbeitsbelastung

Ergänzend befragte das Obwaldner Amt für Landwirtschaft und Umwelt die Bäuerinnen und Bauern nach ihrer Arbeitsbelastung. Diese sei sehr hoch und könne ohne Mithilfe weiterer Familienangehöriger kaum bewältigt werden.

«Eine Bauernfamilie wendet im Schnitt 105 Arbeitsstunden pro Woche auf», sagt Bruno Abächerli, Leiter des kantonalen Amtes für Landwirtschaft. «Das ist eine sehr grosse Belastung, unter der das Familienleben leidet.»

Genugtuung und Zufriedenheit

Trotzdem sei die Arbeit eine grosse Genugtuung, das geht ebenfalls aus der Umfrage hervor. Die meisten Bauernfamilien wollen an der Ausrichtung ihres Hofs festhalten. «Viele schätzen die Vielseitigkeit und die selbständige Arbeit», sagt Walter Furrer, Präsident des Obwaldner Bauernverbandes.

Als grosses Hindernis erlebten die Landwirte die administrativen Aufgaben, die stetig zunähmen; da sei die Politik gefordert. «Wir werden nun die Zahlen mit den Bauern zusammen analysieren und dann festlegen, wie es weitergeht», stellt Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker in Aussicht. Das sei allerdings nicht ganz einfach: «Die Agrarpolitik ist zu einem guten Teil Bundessache.»