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Zürcher Lehrer unter Druck «Bei der Entlastung eine 4, bei den Löhnen eine 5,5»

Lilo Lätzsch hat zehn Jahre lang den Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband präsidiert. Bei den Löhnen kämpfte sie erfolgreich um eine Erhöhung. Die Entlastung der Lehrer gelang ihr weniger. Sie gibt sich deshalb selbst ein durchzogenes Zeugnis.

Legende: Audio Im Gespräch mit Lilo Lätzsch (20.8.17) abspielen. Laufzeit 16:27 Minuten.
16:27 min

SRF: Seit über 40 Jahren unterrichten Sie in Zürcher Schulzimmern, 17 Jahre lang haben sie sich im Verband für ihre Kolleginnen und Kollegen eingesetzt, davon 10 Jahre lang als Präsidentin. Woher nehmen Sie die Motivation?

Lilo Lätzsch: Es macht einfach unheimlich Spass, junge Menschen ein Stück weit zu begleiten und sie auf ihrem Weg zu unterstützen.

Schauen wir zurück: Im November 2010 haben die Zürcher Lehrerinnen und Lehrer gestreikt, eine Schulstunde lang – was hat es gebracht?

Es war der grösste Erfolg des ZLV. Die Lohnrevision brachte erhebliche Verbesserungen für Berufsanfänger im Kanton Zürich.

Unter ihrer Präsidentschaft fanden viele Schulreformen und Neuerungen statt, Frühenglisch, integrierte Schule, die Grundstufe. Die Lehrer stöhnten. Konnten Sie den Lehrerinnen und Lehrern Entlastung verschaffen?

Beim Thema Entlastung sind wir leider nicht weitergekommen.
Autor: Lilo LätzschEhemalige Präsidentin ZLV

Beim Thema Entlastung sind wir leider nicht weitergekommen. Wir haben den Grundstein gelegt mit dem neuen Berufsauftrag. Jede Lehrerin sollte jetzt aufschreiben, was und wie viel sie gearbeitet hat. Wir hoffen, dass wir so die Zahlen in die Hand bekommen, um mehr Entlastung für die Lehrer zu fordern. Das haben wir noch nicht erreicht.

Wenn Sie sich selbst eine Note geben müssten als Präsidentin, wie sähe die aus?

Oh, das ist schwierig. Wenn ich es von der Entlastung anschaue, müsste ich sagen, es ist wahrscheinlich ein Vierer. Für die Lohnrevision müsste es eine 5,5 sein. Es gibt beides in meiner Präsidentschaft, Erfolg und Misserfolg.

Eine Lektion dauert nicht 45 Minuten, sie dauert wesentlich länger.
Autor: Lilo Lätzschehemalige Präsidentin ZLV

Wo sehen sie die grösste Herausforderung für die Zukunft?

Es kommt ein erhebliches Problem auf die Schulen zu. Wir werden uns sehr anstrengen müssen, um weiterhin alle Klassen mit einer adäquat ausgebildeten Lehrperson zu besetzen. Nicht zuletzt wegen der stark steigenden Schülerzahlen. Umso wichtiger ist es, die Lehrerinnen und Lehrer zu entlasten. Nicht jede Sitzung ist nötig, ausserdem brauchen die Lehrer mehr Zeit, um die Lektionen vor- und nachzubereiten. Eine Lektion dauert nicht 45 Minuten, sie dauert wesentlich länger.

Lilo Lätzsch

Seit 43 Jahren steht Lilo Lätzsch bereits im Schuldienst. 17 Jahre war sie in der Geschäftsleitung des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands, die letzten zehn Jahre präsidierte sie ihn. Ende Juli hat Lilo Lätzsch ihr Amt nun abgegeben. Die 65-Jährige wird aber weiterhin als Sekundarlehrerin in Zürich arbeiten.

Das Gespräch führte Fanny Kerstein

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1 Kommentar

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  • Kommentar von rosi gantenbein (lara croft)
    Die dümmste Neuerung, welche der ZLV angestossen hat, ist der neue Berufsauftrag. Lehrpersonen müssen hochgradig engagiert, kreativ und innovativ sein. Dazu brauchen sie Vertrauen, Freiräume und Wertschätzung. Wer eine begnadete Lehrperson ist, kann niemals ein "Ferientechniker" zu sein. Nun schreiben die Lehrpersonen ihre Arbeitszeit mit der Stoppuhr auf und betreiben Dienst nach Vorschrift. Das ist der völlig falsche Ansatz in diesem Beruf....
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