Bilder betrachten, auch wenn man fast nichts mehr sieht

Der Besuch einer Bilder-Ausstellung kann auch für Sehbehinderte anregend sein. Das zeigt eine besondere Führung in der Sammlung «Am Römerholz» in Winterthur.

Das Gebäude der Oskar-Reinhart-Sammlung «Am Römerholz» in Winterthur (Aufnahme vom Herbst 2010) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Oskar-Reinhart-Sammlung (Aufnahme vom Herbst 2010) ermöglicht auch Sehbehinderten einen Eindruck von den Bildern. SRF

Fünf sehbehinderte Frauen und Männer und fünf Begleitpersonen treffen sich an einem verregneten Freitagnachmittag in der Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz». Hier könnte man luftig helle Bilder von Renoir oder Monet besichtigen.

Sich ein Bild machen vom düsteren Werk

Aber die Kunsthistorikerin Kerstin Bitar führt die Gruppe zu einem grossen, düsteren Werk von Gustave Courbet. Eindrücklich beschreibt sie, wie eine grosse Welle fast auf die Betrachter einschlägt.

So eindrücklich, dass ein sehbehinderter Besucher meint,  er könne sich dieses Bild sehr gut vorstellen. «Es ist ein wenig bedrückend und stellt nicht auf», meint er mit einem Lachen gegenüber dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen». Konzentriert hört die Gruppe den nicht immer einfachen Ausführungen von Kerstin Bitar zu. 

Nach dem knapp stündigen Rundgang wird dann sehr intensiv diskutiert, ob die Führung zu wortreich war oder nicht. Nur, ob und wieviel wer effektiv gesehen hat, das ist kein Thema. Denn der Museumsbesuch, der war eindrücklich. Sehend - oder nicht sehend.

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