Präsidium SP Kanton Zürich «Die Leute rannten uns nicht die Türe ein»

Ein Duo soll künftig die SP des Kantons Zürich führen: Die Findungskommission schlägt Nationalrätin Priska Seiler Graf und Kantonsrat Andreas Daurù vor. Speziell: Sie waren beide selbst Mitglied der Kommission.

Die SP des Kantons Zürich tut sich schwer, ihr Präsidium neu zu besetzen. Offenbar ist niemand besonders scharf darauf, den «heissen Stuhl» zu erben. Dieser ist vakant, seit Daniel Frei im Februar per sofort zurücktrat. Zermürbt von den immer gleichen innerparteilichen Grabenkämpfen.

Nun schlägt die Findungskommission also Nationalrätin Priska Seiler Graf wie auch Kantonsrat Andreas Daurù vor, die selbst Präsidentin, respektive Mitglied der Findungskommission waren. Hat die SP niemanden sonst gefunden? Redaktorin Nicole Freudiger hat nachgefragt.

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Bildlegende: «Wir mussten umdisponieren», so Priska Seiler-Graf zum Zweierticket für die Zürcher Führung der Partei. Keystone

SRF: Priska Seiler Graf, es ist doch eher speziell, sich als Mitglied der Findungskommission selbst vorzuschlagen?

Priska Seiler Graf: So war es nicht. Als die anderen Mitglieder der Findungskommission auf die Idee kamen, uns beide vorzuschlagen und es spruchreif wurde, sind wir selbstverständlich aus der Kommission ausgetreten.

Gab es so viele Absagen, dass Ihnen gar nichts anderes übrig blieb?

Wir hatten Pech. Wir hatten zwei Zusagen, aber dann änderte sich bei beiden beruflich etwas. Und es ist klar: Beruf geht vor. Wir mussten umdisponieren.

Stellten Sie sich die Suche so schwierig vor?

Ich stellte mir vor, dass es nicht einfach wird. Gerade Leute mit Erfahrung wissen, mit wie viel Arbeit das Amt verbunden ist. Die rennen uns nicht die Türen ein. Unter dem Strich hatten wir aber eine Auswahl. Es lief besser als befürchtet.

Und weshalb wollen Sie jetzt das Amt?

Je länger ich versuchte, andere zu überzeugen vom Amt, desto mehr arbeitete es in mir selbst. Ich fand dann: Parteiarbeit interessiert mich, die Partei ist mir wichtig. Und entschied: doch, ich würde es gerne anpacken.

Andreas Daurù an einer Pressekonferenz Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Ich habe es mir sehr gut überlegt», erklärt Andreas Daurù zu seiner Kandidatur. Keystone

Und warum wollen Sie Co-Präsident werden, Andreas Daurù?

Andreas Daurù: Ich habe es mir sehr sehr gut überlegt. Ich bin schon länger Mitglied in der SP, bin sehr aktiv und engagiert. Ich bin mir sicher, dass ich es machen will. Es ist wichtig, dass es jetzt wieder vorwärts geht, nächstes Jahr sind Wahlen in der Stadt Zürich, übernächstes Jahr im Kanton. Ich kenne auch Priska Seiler Graf gut, ich kann es mir gut vorstellen, mit ihr zusammen die SP zu präsidieren.

Die Kandidaten der Findungskommission

NamePriska Seiler Graf
Andreas Daurù
Zur Person
48 Jahre alt, wohnt in Kloten, Lehrerin und Balletpädagogin.
37 Jahre alt, lebt in Winterthur, Pflegefachmann.
Politische Ämter
Seit fünf Jahren Stadträtin von Kloten und seit 2015 Nationalrätin, vorher 10 Jahre im Kantonsrat. Zuvor präsidierte die SP-Fraktion und war bis zur Wahl in den Kantonsrat 2005 Gemeinderats-Präsidentin.Seit 2012 im Kantonsrat. Zuvor 7 Jahre Mitglied im Winterthurer Gemeinderat. Präsident des VPOD Zürich. Seit Ende Februar ad interim Co-Präsident der SP Kanton Zürich.