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Zürich Schaffhausen «Die Zürcher sollen einen anderen Blick auf ihre Stadt erhalten»

Hedwig Fijen, Direktorin der Manifesta, möchte mit ihrem Kunst-Festival alle Zürcher ansprechen. Und sie zum Denken anregen über die grossen Fragen zum Thema Arbeit und Geld. Kaum begonnen, hat die Manifesta auch schon ihre ersten Aufreger – die Hedwig Fijen unterschiedlich gelassen nimmt.

Legende: Audio Hedwig Fijen im Interview (12.6.2016) abspielen. Laufzeit 00:23 Minuten.
00:23 min, aus Regi ZH SH vom 12.06.2016.

Zwei Tage alt ist die Manifesta - und bereits wird heftig diskutiert. Über ein Kunstwerk, das stinkt, obwohl es nicht stinken sollte. Und über die Löhne der Angestellten. 80 Tonnen Klärschlamm hat Künstler Mike Bouchet zu Blöcken verarbeitet, die im Löwenbräu-Areal stehen. Sie stinken dermassen, dass die meisten Besucher nur schnell den Kopf in den Saal strecken.

«Das Kunstwerk sollte nicht so riechen. Wir haben alles getan, damit es weniger stinkt», sagt Festival-Direktorin Hedwig Fijen. Denn eigentlich sei Mike Bouchets Werk intelligente Kunst. «Der Künstler hat sich überlegt, was wir alle tun, alle Besucher, Mitarbeiterinnen und Organisatoren.» Und aus den Hinterlassenschaften all dieser Leute habe er Kunst gemacht.

«Ohne Freiwillige geht's nicht»

Die Aufregung über die Fäkalkunst nimmt Hedwig Fijen gelassen. Energischer wird sie, wenn man sie auf die Löhne ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anspricht. Diese seien zu tief, konnte man in den letzten Tagen online lesen. Und dies ausgerechnet an einer Biennale, die sich dem Thema «What people do for money» gewidmet hat. «Wir halten uns an alle Schweizer Gesetze», betont Hedwig Fijen. Und eine Kunstbiennale sei nicht durchzuführen ohne Freiwillige, die nur wenig Geld erhalten.

Einige Leute in der Schweiz haben noch nicht verstanden, dass sie im Paradies leben.
Autor: Hedwig FijenDirektorin der Manifesta

Hedwig Fijen verweist auf andere Länder im Süden Europas, wo ein Drittel der Jugendlichen arbeitslos sei. Auf die Diskussion um die Löhne hätte Hedwig Fijen gerne verzichtet. Doch genau solche Diskussionen will die Manifesta auch anstossen. Die Zürcherinnen und Zürcher sollen über ihren Alltag nachdenken. Und einen anderen Blick auf ihr Zuhause erhalten, sagt Hedwig Fijen: «Wenn sich die Zürcherinnen und Zürcher die Manifesta zu eigen machen, dann bin ich glücklich.»

(fren; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr; Bilder: Keystone)

Zur Person

Zur Person

Hedwig Fijen hat 1993 die Manifesta ins Leben gerufen. Das Festival gilt heute als eine der wichtigsten Kunst-Biennalen der Welt. Die 54-jährige Holländerin hat Geschichte und Kunstgeschichte studiert.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
    «Einige Leute in der Schweiz haben noch nicht verstanden,dass sie im Paradies leben.» Diesem Satz & der Feststellung kann ich nur beipflichten.Die meisten Bürger dieses Landes haben keine Ahnung davon,wie die reale Welt aussieht.Nörgler,Kritiker, Unzufriedene hat der Wohlstand in diesem schönen Land hervor gebracht.Daran sind massgeblich Politiker aus der rechten Ecke schuld.Wenn Politik so stinken würde,wie dieses Kunstwerk würden die Menschen vielleicht begreifen,welche Partei für sie gut ist.
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  • Kommentar von Edi Steinlin (rosi)
    Wenn wir etwas mit Sicherheit nicht brauchen, dann dann sind es Ermahnungen einer Hedwig Fijen. Unglaublich was man heute alles als Kunst verkaufen kann, aber im rot/grünen Zürich geht das offensichtlich. Das einzige was mich interessieren würde, wäre was kostet uns diese famose Kunst-Biennale der Welt.
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