Ein Politveteran sagt Ade

Der Zürcher Nationalrat Andreas Gross (SP) hat 24 Jahre lang seine Partei und den Kanton Zürich in Bern vertreten. Bei den Wahlen im Herbst tritt er nicht mehr an.

Als «Sesselkleber» oder «Fossil» wurde Andreas Gross auch schon betitelt. Seit 1991 sitzt er für die SP im Nationalrat. Der Politikwissenschafter und Politiker wurde im August 63 Jahre alt. Bereits 2011 drohte ihm die Altersguillotine seiner Partei. Und ausgerechnet Mitglieder der von ihm gegründeten Juso forderten seinen Rücktritt.

Kein Leben ohne Politik

Mit dem Ende der Herbstsession am kommenden Freitag ist die Zeit für Andreas Gross als Nationalrat vorbei. Nicht aber die Zeit als Politiker, betont er: «Ich habe vor der Zeit als Nationalrat schon politisiert, und so wird es auch danach sein. Ein Leben ohne Politik gibt es für mich nicht, ein Leben ohne Nationalrat aber schon.»

Nationale Bekanntheit erlangte Andreas Gross in jüngeren Jahren als Mitbegründer der «Gruppe für eine Schweiz ohne Armee» (Gsoa). Mittlerweile stellt Gross die Armee aber nicht mehr grundsätzlich in Frage. Im Nationalrat hat er vor allem zu demokratie- und europapolitischen sowie aussen- und sicherheitspolitischen Themen Stellung genommen. Seit 1995 ist Gross einer der Vertreter der Schweiz im Europarat.

UNO-Beitritt als grösster Erfolg

Als einen seiner grössten Erfolge nennt Gross die Initiative zum Beitritt der Schweiz zur UNO, welche 2002 von Volk und Ständen mehrheitlich angenommen wurde. «Diese Initiative habe ich auf einer Zugfahrt erfunden, zusammen mit einem Parteikollegen.» Eine Niederlage sei dagegen, dass er es nicht geschafft habe, den «gigantischen Einfluss» des Geldes in der Schweizer Demokratie zu mindern. «Es gibt kein Gesetz in der Schweiz, welches dafür sorgt, dass der politische Wettbewerb fair bleibt.»

Andreas Gross geht mit gemischten Gefühlen in seine letzte Woche als Nationalrat. «Es ist schon etwas Besonderes, aber auch eine Erleichterung.» Und wie erwähnt, sein Leben als Politiker gehe weiter: «Ich fische weiter, einfach nicht mehr im Haifischbecken, sondern am Fluss, am See, am Meer, mit einem anderen Rhythmus, einem anderen Tempo.»