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Zürich Schaffhausen Emotionale Kiffer-Debatte im Gemeinderat

Der Zürcher Stadtrat regt beim Bund eine Cannabis-Studie an, die den Konsum und Handel von Cannabis erforschen soll. Die Stadt möchte dabei an vorderster Front mitwirken. Grund genug für den Gemeinderat, eine emotionsgeladene Diskussion vom Zaun zu brechen.

Ein Joint.
Legende: Die SVP befürchtet, Zürich werde zu einem zweiten Amsterdam. Keystone

Alles begann 2006 mit einem Vorstoss der Grünen. Die Stadt solle in einem Pilotversuch kontrolliert Cannabis abgeben, so die Forderung. Der Stadtrat befand den Vorstoss grundsätzlich für gut, war aber der Meinung, aus rechtlichen Gründen sei ein solcher Versuch derzeit nicht möglich. Deshalb sprach der Stadtrat beim Bundesamt für Gesundheit vor und regte an, dass der Bund eine Cannabis-Studie aufgleist, die den Konsum und Handel von Cannabis erforscht - mit der Beteiligung von Zürich an vorderster Front.

Zürich - ein «zweites Amsterdam»?

In der Studie soll unter anderem untersucht werden, wie sich der Cannabiskonsum auf die Gesundheit auswirkt.Weitere Punkte sind der Jugendschutz und der Cannabis-Schwarzmarkt.

Obwohl das Bundesamt für Gesundheit entscheidet, ob eine solche Studie durchgeführt werden kann, diskutierte am MiIttwochabend der Gemeinderat grundsätzlich über das Für und Wider von Cannabis, den Handel und den straffreien Konsum.

Liebe von links, Hiebe von rechts

Grüne, SP, die Grünliberalen und die CVP lobten den Stadtrat für seinen ausführlichen Bericht und sein Engagement. Sie sprachen sich auch dafür aus, dass Zürich bei der Studie eine Vorreiterrolle übernimmt. Die FDP hingegen meinte, es sei nicht die Angelegenheit der Stadt Zürich, bei einer solchen Studie mitzumachen.

Die EVP, aber vor allem auch die SVP, warnten vor den Konsequenzen: Man solle nicht das Tor zur Legalisierung aufstossen, sagte beispielsweise Gerhard Bosshard von der EVP. Bei einer Legalisierung würde Zürich zu einem «zweiten Amsterdam» werden, prophezeite Mauro Tuena (SVP). Im Lauf der Debatte wurden die Töne immer emotionaler, SP und AL warfen der SVP Scheinheiligkeit vor. Dominique Feuillet (SP), spöttelte, er freue sich darauf, am anschliessenden Neujahrs-Apéro mit der SVP anzustossen: «Ihr habt ja sicher Mineralwasser im Glas.» Und Richard Wolff (AL)  gab der SVP unverblümt den Ratschlag, selber mal eins zu kiffen, «dann würdet ihr nicht so einen Stuss erzählen.»

Die zuständige Stadträtin Claudia Nielsen erinnerte schliesslich die Parlamentarierinnen und Parlamentarier daran, dass es nicht darum gehe, in der Stadt irgendwelche Hasch-Kioske zu eröffnen, sondern den Bericht der Stadt zur Kenntnis zu nehmen. Was das Parlament schliesslich auch tat: Mit 89 Ja-Stimmen gegen 29 Nein-Stimmen von SVP, EVP und SD.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von raphael schmid, snickers
    Durch alkohol sterben jährlich tausende von menschen und durch kiffen 0 kiffen ist nichts schlimmes aber man sollte es genau gleich wie beim alkohol machen wer kifft fährt eine gewisse zeit nicht auto.aber ansonsten ist kiffen nichts schlimmes!!! Man nehme einen alkaholisierten und einen bekifften menschen. mit alkohol: agresiv mit cannabis: lachflash Also wo ist das problem mit kiffen???
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  • Kommentar von Don Muhan, Erde
    WAS bitte sind am Umgang mit Hanf (lat. Cannabis) die Wesensmerkmale einer Straftat im Sinne der Rechtsauffassung eines freiheitlichen Rechtsstaates? WIE kann ein freiheitlicher Rechtsstaat Teile seiner Bürger für ein Verhalten zu Kriminellen erklären, welches weder Leben, Gesundheit, Ansehen oder Eigentum eines Anderen Schaden zufügt? Wieso ist Alkohol erlaubt, wenn es die gesundheitliche Aspekte bei Cannabis sind, wegen deren das Verbot aufrecht erhalten wird?
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    1. Antwort von Peter Müller, Zürich
      Danke! Eine Antwort die jeder mal zum nachdenken bringen soltte! MFG
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    2. Antwort von Pakphum Wieland, Riehen
      Nichts daran ist eine Straftat. Das trifft im übrigen nicht nur auf Hanf sondern auch auf andere Drogen zu. Solche Stoffe zu verbieten resp. deren Konsumenten zu verfolgen, ändert weder irgendwas am Schädigungspotenzial noch am Grundbedürfnis vieler Leute, ihr Bewusstsein zu modulieren. Ferner wird die Drogenprohibition durch die Legalität von Alkohol unterlaufen, da man einfach auf Alkoholika ausweichen kann, wenn andere Drogen mal nicht vorhanden ist. Völlig sinnlose Übung, dieses Verbo...
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  • Kommentar von David Rothen, Bern
    Wieviele Leute sterben jährlich durch Alkoholkonsum? Zehntausende. Wieviele Leute sterben jährlich durch Cannabiskonsum? Null. Auf der ganzen Welt ist noch kein einziger Todesfall durch Kiffen bekannt. Viele Leute haben Angst vor dem Cannabis, warum eigentlich? Wohl weil sies nicht kennen...
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