Jugendschutz Ernüchternd: Jugendliche kommen wieder leichter an Alkohol

Mehr als die Hälfte der Jugendlichen erhielten bei Testkäufen in der Stadt Zürich alkholhaltige Getränke. Vor allem in kleinen Läden mit langen Öffnungszeiten gab es häufig Probleme.

Häufig funktioniert's: Ein Jugendlicher kauft Spirituosen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Häufig funktioniert's: Ein Jugendlicher kauft Spirituosen. Keystone

  • Bei den 14- bis 17-jährigen Jugendlichen erhielten 57 Prozent alkoholische Getränke (2015: 51 Prozent)
  • Bei den 14- bis 15-jährigen Jugendlichen erhielten 36 Prozent alkoholische Getränke (2015: 23 Prozent)
  • Insgesamt gab es 115 Testkäufe in kioskartigen Läden, Verkaufsläden, Tankstellenshops, Restaurants und Festwirtschaften.

Die Resultate der Testkäufe 2016 seien «ernüchternd», sagt Urs Rohr von der Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich. Vor allem bei zwei Kategorien von Verkaufsstellen sei die Situation problematisch. Viele Fälle von Verstössen gab es bei Festwirtschaften. Hier seien häufig Freiwillige im Einsatz, die nicht über die nötige Erfahrung verfügten. Immerhin: Im letzten Jahr habe sich die Situation verbessert. Erhielten 2015 noch 80 Prozent der jugendlichen Testkäufer ihr Getränk, waren es 2016 noch knapp 50 Prozent.

Die Sache mit dem Kopfrechnen

Noch mehr Sorgen bereiten Rohr deshalb die kleinen, kioskartigen Läden mit langen Öffnungszeiten. Diese lebten häufig zu einem grossen Teil von den Alkohol- und Tabakverkäufen.

Nicht immer sei in diesen Geschäften schlechter Wille der Grund, wenn Jugendlichen Alkohol verkauft werde, sondern Stress. Etwa die Hälfte der beschuldigten Verkäuferinnen und Verkäufer habe zwar von den Jugendlichen einen Ausweis verlangt, habe dann jedoch das Alter falsch berechnet. «Häufig liegt es offenbar auch am Kopfrechnen», stellt Rohr fest.

Das positive Beispiel: Die Tankstellenshops

Dass die vielen Kontrollen sich auszahlen, zeigt die Situation bei den Tankstellenshops. Diese seien vor zehn Jahren noch «die Problemzone Nummer eins» gewesen. Heute gebe es dort jedoch kaum mehr Probleme, stellt Rohr fest.