«Es kann immer besser kommen, darum höre ich auf»

Sieben Jahre lang präsidierte Alfred Heer die Zürcher SVP, mit grossem Erfolg. Mit seiner direkten und wenig subtilen Art eckte er aber auch an. Selbst mit der nationalen Parteileitung hatte er das Heu nicht immer auf der gleichen Bühne. Ende April 2016 tritt er nun zurück.

Alfred Heers Bilanz als Parteipräsident kann sich sehen lassen: Unter seiner Leitung konnten sich wieder zwei Regierungsräte etablieren, und die Partei eroberte den zwölften Nationalratssitz zurück, den sie 2011 verloren hatte. Ausserdem schaffte Heer es, die Partei zu verjüngen: Bei den Wahlen im Herbst 2015 wurde praktisch die ganze Garde altgedienter SVP-Nationalräte ausgewechselt.

Ein guter Moment um aufzuhören, meint der 54-Jährige, der seinen Entscheid Anfang Jahr bekannt gegeben hat: «Ich hätte noch vier weitere Jahre anhängen müssen, da ich ja nicht mittendrin aufhören kann. Und ich denke, es ist auch einmal Zeit für frischen Wind.»

«Gaga-Wahlkampf» spielte keine Rolle

Die Misstöne im letzten Sommer hätten bei seinem Entscheid keine Rolle gespielt, betont Heer. Er kritisierte damals seine Partei, sie würde den Fokus zu stark auf das Thema Ausländerpolitik legen. Und er bezeichnete den Wahlkampf mit dem berühmten «Willy-Song» als «Gaga».

Die SVP habe es nicht nötig, mit solchen Shows aufzufallen, meint Heer, der auch schon Vorbehalte gegenüber gewissen SVP-Plakaten geäussert hat. Als 10-Prozent-Partei hätte man vielleicht noch auf diese Art von Aufmerksamkeit buhlen müssen: «Aber heute mit 30 Prozent sieht das anders aus. Wir müssen uns nicht ins Gespräch bringen, wir sind im Gespräch und können überall mitreden.»

Ein Manko aus Heers Zeit: Der Ständeratssitz

Die Arbeit werde seinem Nachfolger dennoch nicht ausgehen, so Heer. Es gelte zum Beispiel, ein Manko auszubessern, das nach seiner Zeit als Präsident geblieben sei: Ein Zürcher SVP-Vertreter im Ständerat.

Sein Nachfolger wird entweder Nationalrat und Jurist Claudio Zanetti sein oder Kantonsrat und Landwirt Konrad Langhart. Die SVP-Delegierten entscheiden Ende April. Auf die Frage, wen er eher in diesem Amt sehe, sagt Heer, er habe keinen Favoriten.

Er selber will sich nun auf sein Nationalratsmandat und die damit verbundenen Aufgaben konzentrieren. Heer ist auch Präsident der Delegation im Europarat, Präsident der Geschäftsprüfungskommission im Nationalrat und Mitglied weiterer Kommissionen und Delegationen.

(Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)