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Zürich Schaffhausen Fall Flaach: Amt für Justizvollzug weist Vorwürfe zurück

Die Mutter, die anfangs Jahr ihre beiden Kinder tötete und sich am 7. August im Zürcher Untersuchungsgefängnis das Leben nahm, wurde zwei Tage zuvor zum letzten Mal von einem Psychiater untersucht. Konkrete Hinweise auf eine akute Suizidgefährdung seien nicht vorgelegen, heisst es beim Amt.

Legende: Video Justizvollzug wehrt sich abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 11.08.2015.

Das Amt für Justizvollzug wiederholt im Wesentlichen seine Einschätzung, die es unmittelbar nach dem Suizid der 27-jährigen Frau bekanntgegeben hat: Dass sie nicht unmittelbar als selbstmordgefährdet galt.

Trotz mehrerer Suizidversuche keine akute Gefährdung

Das Amt räumt aber ein, dass die Frau offenbar bereits zweimal versucht hat, Suizid zu begehen. «Ende April 2015 gab es zwei Zwischenfälle, die als Vorbereitungshandlungen für einen Suizidversuch gewertet werden können», heisst es im Schreiben. Danach wurde die Betreuung der Frau intensiviert.

Um weitere Suizidiversuche möglichst zu verhindern, wurde sie zum Beispiel in eine Sicherheitszelle verlegt. «Diese Zelle ist spartanisch eingerichtet, es gibt keine Gegenstände, die eine Selbstverletzung ermöglichen», sagt Rebekka da Silva vom Amt für Justizvollzug. Dieses für einen Insassen sehr freiheitseinschränkende Setting sei aber bald wieder aufgelöst worden, sagt da Silva weiter, da es eben keine Hinweise mehr auf eine akute Suizidgefährdung gegeben habe.

Offene Fragen zum Brief an die Eltern

Was es mit dem Brief auf sich hat, den die Frau kurz zuvor ihren Eltern geschrieben haben solll, kann das Amt heute nicht beantworten. Es wird nur allgemein festgehalten, dass die Staatsanwaltschaft die Gefängnisleitung auf eine allfällige Suizidgefahr hinweist, wenn sich in kontrollierten Briefen Hinweise darauf finden. «Das ist Gegenstand der laufenden Untersuchung der Staatsanwaltschaft», sagt da Silva deshalb nur.

Einzelzelle auf eigenen Wunsch

Zu den Vorwürfen der Eltern, ihre Tochter sei isoliert gewesen und habe nicht arbeiten dürfen, nimmt das Amt für Justizvollzug ebenfalls Stellung: Die Verlegung in eine Einzelzelle sei auf Wunsch der Frau erfolgt. Ausserdem habe sie mehrmals eine Arbeit aufgenommen, diese aber wieder abgebrochen. Tatsächlich hätte sie gerne am Kiosk gearbeitet. Für diesen Job gibt es laut dem Amt für Justizvollzug jedoch lange Wartelisten von interessierten Untersuchungshäftlingen. Der Wunsch der Frau habe deshalb nicht erfüllt werden können.

Unterlagen zu einem Buch, welches die Frau in Haft geschrieben haben soll, seien in der Zelle ausserdem nicht gefunden worden.

Viele Fragen im Fall Flaach sind auch weiterhin noch offen. Um sie zu klären will die Staatsanwaltschaft den Todesfall unabhängig weiter untersuchen.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von M.Fröhli, Thurgau
    Wie viele unfähige Leuten arbeiten bei den Behörden und sie glauben sie machen alles korrekt, leider stimmt das eben nicht, weil Ihnen das Einfühlungsvermögen fehlt und alles nach Paragraph läuft und kein gesunder Menschenverstand da ist. So könnte man vieles unangenehmes Verhindern, besonders bei Kindern. Es ist traurig was da alles passiert!
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  • Kommentar von S. Meier, Adliswil
    Also am Anfang der Berichterstattung zu diesem Suizid hiess es noch, dass sie nicht am Kiosk hätten arbeiten dürfen wegen den Scheren die es dort gäbe und es für die Frau zu gefährlich gewesen wäre, eben wegen ihrer Suizidalität. Weiter hiess es die Frau wurde von anderen Insassinnen gemobbt und wurde deswegen ioliert gehalten. Des weiteren ist im Beitrag eine U-Haftzelle zu sehen, wer nicht psychisch krank ist wird es definitiv in einer solchen.
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Alles die Schuld der unbedarften KESB -Bürokraten . Der Fall wird solange untersucht bis kein Mensch mehr sich daran erinnern kann . So werden die Verantwortlichen vom Rechtsstaat geschützt . Denn wer beim Staat arbeitet, der ist in 99% der Fälle im Recht -denn der Staat kann nicht Unrecht haben .
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