«Faust» in der Midlife Crisis

Bei Goethe will Faust erforschen, was die Welt im Innersten zusammenhält. In der Oper von Charles Gounod will er Jugend, Genuss und junge Frauen. Das bekommt er nicht wirklich, in der neuen Inszenierung im Zürcher Opernhaus.

Mephisto, um ihn herum vier Frauen auf den Knien. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Showtime mit Kyle Ketelsen als Mephisto. zvg / Tanja Dorendorf

Im Zürcher Opernhaus ist eine neue, junge Künstler Generation angekommen. Während in der Ära Pereira die Bühne ganz den älteren Sängerinnen, Dirigenten und Regieteams gehörte, überlässt sie der neue Hausherr Andreas Homoki nun den Jungen. Erst 32 Jahre alt sind der Dirigent Patrick Lange und der Regisseur Jan Philipp Gloger und gemeinsam wagen sie sich an den alten Meister «Faust» von Charles Gounod.

Jugend, Genuss und junge Frauen

Gounods Faust interessiert sich nicht für die Wissenschaft, er will «Jugend, Genuss und junge Frauen». Jan Philipp Gloger erfüllt ihm diese Wünsche nur bedingt. Er sieht Faust als Familienvater, der alles erreicht hat und sich nun fragt, ob er nicht das Wichtigste im Leben versäumt. Pavol Breslik singt diesen Faust mit sorgfältig geführter Stimme, aber noch wenig Farben.

Sein Gegenspieler Kyle Ketelsen hingegen ist ein hinreissend gefährlich charmanter Mephisto. Und der absolute Publikumsliebling ist Anna Stéphany. Sie singt die eher kleine Hosenrolle des Siébel mit wunderbarem Timbre und dem ganzen Schmerz eines verliebten und verschmähten jungen Mannes.

Sendung zu diesem Artikel