Gewalt im Alter: eine Zürcher Beschwerdestelle will Augen öffnen

Sie sind wohl häufiger Opfer von psychischer und physischer Gewalt, als angenommen. Die Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter geht sogar davon aus, dass jeder fünfte betagte Mensch von Gewalt betroffen ist. Vor allem Pflegende und betreuende Angehörige bräuchten Unterstützung.

Eine betagte Frau steht an der Balkontüre ihrer Wohnung. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zuhause bleiben, so lange es geht. Das wünschen sich viele Betagte, sind aber auf Hilfe angewiesen. Keystone

150 Fälle von Gewalt an Betagten hat die Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter (UBA) in den Kantonen Zürich und Schaffhausen in den vergangenen fünf Jahren gezählt. Knapp ein Drittel wurde vernachlässigt, der Rest erlebte eine oder mehrere Formen von Misshandlung. Bei der Hälfte der Fälle waren Angehörige die Täter.

In vertrauter Umgebung alt werden - umsorgt von einem Familienmitglied: Diese Betreuungsform wird immer öfter gewünscht  - sie stellt aber auch eine Herausforderung dar. Die Pflege betagter Menschen werde oft unterschätzt, stellt die frühere Zürcher Stadträtin und Präsidentin der UBA, Monika Stocker, fest. «Es sind zu 80 Prozent Frauen, welche die Angehörige pflegen. Sie haben Kinder, führen den Haushalt und betreuen auch noch die alten Eltern. Es entsteht das Bild, dass diese Betreuung einfach so nebenbei geschieht», sagt Monika Stocker.

«Es ist normal, wenn man an Grenzen stösst»

Und dies sei natürlich nicht der Fall. Die Pflege eines alten Menschen stelle das bisherige Leben komplett auf den Kopf. «Da ist es normal, wenn man an Grenzen stösst», so Monika Stocker. Es brauche deshalb ein flächendeckendes und umfassendes Unterstützungssystem für pflegende und betreuende Angehörige. Die Beschwerdestelle versteht sich selbst als Teil davon. Wenn Konflikte in der Altersbetreuung entstehen, leistet sie Hilfe. Bei rund 60 Prozent der Fälle gelinge ihr es, eine für alle Beteiligten annehmbare Lösung zu finden.

Sendung zu diesem Artikel