Historische Casting-Show

Das kleine Theater Kanton Zürich und das grosse Opernhaus bringen zusammen Mozarts musikalische Komödie «Der Schauspieldirektor» auf die Bühne. Das Premierenpublikum und unsere Kritikerin haben Tränen gelacht.

Das Ensemble spielt «Der Schauspieldirektor». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Umwerfend komisch: «Der Schauspieldirektor». ZVG

«Wo sollen die denn hin, wenn nicht zum Theater?» stöhnt die Schauspieldiva. Sie (gespielt von der grossartigen Katharina von Bock) hat gerade ein halbes Dutzend Vorsingen und Vorsprechen abgenommen und ist erschlagen. Den Tenor versteht man nicht, dafür küsst er gut. Die Sopranistinnen liefern sich einen Zickenkrieg, haben das Herz aber eigentlich am richtigen Fleck. Und der ältere Schauspieler spielt in seiner Verzweiflung sämtliche Rollen im «Wilhelm Tell» – so dringend braucht er ein Engagement. Und tatsächlich, nach 90 Minuten sind alle engagiert. Weil: Wo sollen die denn hin, wenn nicht zum Theater.

Mozart reduziert

1786 schrieb Wolfgang Amadeus Mozart seine musikalische Komödie «Der Schauspieldirektor». Es sollte ein sommerliches Vergnügen werden zu Ehren von Kaiser Josephs Schwester. Sehr viel komponiert hat er allerdings nicht. Nur gerade eine Ouvertüre und ein paar Arien.

Im «Schauspieldirektor» wurde schon immer mehr gesprochen als gesungen. Darum drängte sich eine Zusammenarbeit zwischen einem Opernhaus und einer Sprechbühne geradezu auf. Und in diesem Fall funktioniert sie auch bestens. Drei junge Sängerinnen und ein Bläserquintett der Zürcher Oper singen mit viel Witz schöne und manchmal ganz schön schiefe Töne. Das Ensemble des TZ spielt lustvoll und präzis, und der Hausherr Rüdiger Burbach inszeniert mit viel Tempo und ein paar genüsslichen Seitenhieben auf den Theaterbetrieb.