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Zürich Schaffhausen Homokis karger «Fidelio» im Zürcher Opernhaus

Andreas Homoki und Fabio Luisi sind fast ein «Dream Team». Seit letzter Saison sitzen sie auf den Chefsesseln im Zürcher Opernhaus und begeistern das Publikum und die Kritiker. Aber mit ihrer ersten gemeinsamen Arbeit, Ludwig van Beethovens «Fidelio», spalten sie das Premierenpublikum.

Legende: Audio «Premierenkritik «Fidelio» (9.12.2013)» abspielen. Laufzeit 3:41 Minuten.
3:41 min

Konsequent ist der neue «Fidelio» im Zürcher Opernhaus. Konsequent grau und kahl. Und konsequent laut. Das erstaunt, weil der Dirigent Fabio Luisi sich bis jetzt als sehr feinfühliger Musiker vorgestellt hat. Den «Fidelio» aber, Ludwig van Beethovens einzige Oper, lässt er vom Orchester kraftvoll und gleichförmig spielen. Das geht häufig zu Lasten der Darstellung der Sängerinnen und Sänger.

So setzt zum Beispiel der junge Tenor Brandon Jovanovich, als Gefangener Florestan, zu einem unglaublich lauten «Gott! Welch Dunkel hier!» an, das weder zu einem ausgemergelten Häftling, noch zu einer Traumvision passen will.

Konsequent kahl

Für den Regisseur Andreas Homoki passten weder ein altmodischer Kerker, noch ein neuer Hochsicherheitstrakt zum Stück. Darum lässt er die Bühne konsequent leer und kahl und die ganze Oper in einem schmalen, grauen Kasten spielen. Eine grosse Herausforderung für die Sängerinnen und Sänger, die die Handlung und sämtliche Emotionen mit ihrem Spiel ausdrücken müssen.

An der Premiere überzeugten die Darsteller der kleineren Partien, wie etwa Martin Ganter als Don Pizarro oder Julie Fuchs als Marzelline, mehr, als etwa Anja Kampe als Fidelio/Leonore. Und Homokis karge Inszenierung löste beim Premierenpublikum eine veritable Bravo- gegen Buhrufe-Schlacht aus.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Jirina R, Dierks-Näf, Zufikon
    Eine zeitgeistige Inszenierung die alle fordert Homoki & das gaze Team aber auch das Publikum, das gefangen dem Geschehen folgt." Ich habe Mut" - hat er Homoki sein Konzept geht auf,, mir ist so wunderbar.. sprecht leise - haltet euch zurück, wir sind belauscht mit Ohr und Blick .. passt genial auf den Punkt gebracht zur rechten Zeit mit den rechten Leut Oper als Ganheitliche Kunstform in Wort-Bild-Ton und ganz ganz viel Emotion, bewegt, begeistert beflügelt . Bravissimo dem ganzen Team.WOW!
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  • Kommentar von Dr. Kim Pasolini, Chur
    Endlich hat es Einer gewagt mit dem elendvermittelnden Kerker- und Haeftlingsszenen aufzuraeumen. Beethovens Intention ist es, eine Utopie aufzuzeigen, die unter den politischen Verhaeltnissen zerbricht, aber dennoch Existenzberechtigung hat als Hoffnungstraeger fuer Optimisten und Aussteiger aus dem politisch-okonomischen Karussel. Ein Silberstreifen am Horizont ist positiver fuer die Gemutsverfassung als Elend als Spiegel vorgehalten zu bekommen. A. Homoki ist ein kluger Meister.
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