«Hotel Suff» - Ja oder Nein?

Die Zentrale Ausnüchterungsstelle in der Nähe des Hauptbahnhofes startete vor viereinhalb Jahren als Pilotbetrieb. Zunächst war sie nur am Wochenende, später auch an weiteren Tagen unter der Woche geöffnet. Nun stimmen die Stadtzürcher Stimmberechtigten über die definitive Einführung ab.

2010 wurde die Zentrale Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle (ZAB) für junge Komatrinker provisorisch eingeführt. In diesen speziellen Zellen bei der Polizeiwache Urania schlafen sie ihren Rausch aus und können im Notfall auch medizinisch betreut werden. Eine Auswertung von rund 1000 Eingelieferten im Jahr 2013 zeigt aber, Jugendliche machen weniger als 2 Prozent der ZAB-Klientel aus: Die meisten Aufgegriffenen sind männlich und zwischen 18 und 44 Jahre alt; jeder zweite ist älter als 35 Jahre. Wer eingeliefert wird, zahlt je nach Aufenthaltsdauer bis zu 600 Franken. Die effektiven Kosten pro Fall belaufen sich jedoch auf rund 1700 Franken. Die Kostendeckung liegt also bei weniger als 50 Prozent.

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Parolen:

JA: SP, GLP, EVP

NEIN: GP, AL, SVP, FDP, CVP, Juso

Zu günstig! Zu teuer!

Das stört die bürgerlichen Parteien. Sie monieren die hohen Kosten für den Steuerzahler und lehnen die Vorlage deshalb ab. Dagegen sind jedoch auch dieGrünen. Wenn auch aus gegenteiligen Gründen. Sie finden, die Kosten für die Betrunkenen zu hoch. Im Nein-Komitee sind auch die AL und die Juso. Sie befürchten, dass es zu ungerechtfertigten Freiheitseingriffen kommt.

Entlastung für die Spitäler

Für die definitive Einführung der ZAB engagieren sich Politiker von SP, GLP und EVP, sowie die Zürcher Sektion des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner und die Zürcher Spitalärztinnen und -ärzte. Sie sind überzeugt, dass es sich beim «Hotel Suff», wie die ZAB allgemein genannt wird, um einen gutschweizerischen Kompromiss handelt, der vor allem das Gesundheitspersonal entlastet.