Ibsen in der Technowelt

Mit einem Klassiker, Henrik Ibsens «Volksfeind», eröffnet das Zürcher Schauspielhaus die neue Spielzeit auf der Pfauenbühne. Wer gepflegtes Spiel, nette Kostüme und eine traditionelle Inszenierung erwartete, wurde allerdings enttäuscht. Der Volksfeind ist im digitalen Zeitalter angekommen.

«Sind wir im richtigen Stück?», will ein älterer Herr leicht beunruhigt von seiner Frau wissen. «Doch, doch..», beschwichtigt sie. Wir sind im Volksfeind, dem Klassiker von Henrik Ibsen aus dem Jahr 1882.

Für die Verwirrung sorgt das Bühnenbild. Denn statt auf eine norwegische Kleinstadt blicken wir in einen modernen Raum; eine Mischung aus einem modernen Büro voller Computer und Kameras und einem Science-Fiction-Ufo. Hier wird der Kurarzt Stockmann zwar wie erwartet den Skandal um das verseuchte Wasser aufdecken und darum als Volksfeind abgestempelt. Aber er tut es mit den Mitteln der digitalen Zeit.

«Smileys»

Auf der Bühne wird gebloggt und getwittert. Sogar der alte Morten (ein Glanzauftritt für Siggi Schwientek) kauft einen Bund Aktien, weil er auch endlich mal ein paar «Likes» will! Was zu Ratlosigkeit bei den älteren Herrschaften im Publikum führt, und der Erklärungen, das seien «diese Smileys...».

Dietmar Dath hat Ibsens Volksfeind ins digitale Zeitalter versetzt. Barbara Ehnes hat das passende Bühnenbild dazu entworfen und Stefan Pucher inszeniert. Ob das alles nötig ist und gefällt? Das ist wohl schlicht Geschmacksache.

(Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17.30 Uhr)