Zum Inhalt springen

Zürich Schaffhausen «Individuelle Lösungen macht man heute eigentlich nicht mehr»

Der Fall «Carlos» hat Hansueli Gürber ungewollt bekannt gemacht. Der Jugendanwalt wurde kritisiert als einer, der jugendliche Straftäter verhätscheln würde. Drei Jahre später widmet sich ein Buch seiner Arbeitsmethode, die er nach wie vor für den richtigen Weg hält, die es aber kaum noch gibt.

Legende: Audio Interview mit Hansueli Gürber (11.9.2016) abspielen. Laufzeit 20:00 Minuten.
20 min

«Weichensteller» heisst das Buch, in welchem Hansueli Gürber über seine Arbeit spricht: «Ich wollte schon immer ein Buch schreiben, meine Erfahrungen zu Papier bringen», erklärt Gürber als «Regionaljournal Wochengast». «Und als dann die Anfrage des Verlags kam, nahm ich dankend an.» Es sei ihm keineswegs darum gegangen, sich und sein Wirken wieder ins rechte Licht zu rücken.

Den Fall «Carlos» habe er fast verdaut. Nur etwas bedauert er nach wie vor: «Es war saublöd, dass ich Carlos in diesen DOK-Film hereingenommen habe.» Viel mehr darf er zum Fall auch nicht sagen. Er ist auch nach seiner Pensionierung ans Amtsgeheimnis gebunden.

«Gürber-Settings» haben sich bewährt

Seinen Weg, individuelle Lösungen für besonders schwierige Fälle zu suchen – er hat auch schon den Begriff «Gürber-Setting» gehört – hält er nach wie vor für den besten. «Ganz einfach darum, weil ich ihn während 15 bis 20 Jahren praktiziert habe – meistens erfolgreich.»

Wenn man sehe, dass ein Jugendlicher auch noch im vierten Heim scheitere, dann müsse man sich vielleicht schon mal die Frage stellen, ob man nicht etwas ändern könnte. «Den Jugendlichen zum Beispiel an einem Ort platzieren, wo das Personal nicht nur seine Pflicht erfüllt, sondern eine echte Beziehung zu ihm aufbaut, wo man ihm zu verstehen gibt: Du, es liegt mir etwas an dir.»

Keiner will sich mehr die Finger verbrennen an «Sondersettings»

Gürber stellt fest, dass dieser Weg heute kaum noch gewählt wird. «Sicher hat dazu der Fall «Carlos» beigetragen.» Keiner wolle sich mehr die Finger verbrennen. Der ehemalige Jugendanwalt hält das für einen Fehler. «Und es ist auch kontraproduktiv. Die Rückfallgefahr ist kleiner, wenn für einen schwierigen Jugendlichen eine individuelle Lösung gewählt wurde.» Zwar gebe es keine Statistik, die das belegen könnte, so Gürber, «aber meine Erfahrung reicht mir.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.