«Jetzt muss Carlos seine Chance wahrnehmen»

Nach dem Urteil des Bundesgerichts wird der jugendliche Straftäter Carlos wieder in einem Sondersetting betreut - günstiger und mit strengeren Rahmenbedingungen. Der richtige Weg, sagt der langjährige Zürcher Jugendanwalt Peter Ragaz, und bricht eine Lanze für das Schweizer Jugendstrafrecht.

Rund 29'000 Franken kostete das erste Sondersetting für den 18-jährigen Jugendlichen. Eine Luxuslösung, sagt Peter Ragaz gegenüber dem Regionaljournal Zürich-Schaffhausen: «Man wollte das Beste und ist im Eifer vielleicht etwas über das Ziel hinausgeschossen.» Er sei froh, dass nun eine günstigere Variante - und eine mit strengeren Rahmenbedingungen - auf dem Tisch liegt. «19'000 Franken mögen zwar immer noch hoch scheinen, aber sie sind notwendig, auch, weil in der Schweiz die Kosten generell sehr hoch sind».

Natürlich sei es schlecht, dass Carlos sein Sondersetting quasi erzwingen konnte, auch sei sein Verhalten in keiner Weise zu tolerieren. Deswegen aber eine Verschärfung des Jugendstrafrechts zu fordern, sei der falsche Weg, so Ragaz. «Das heutige Jugendstrafrecht ist sehr ein gutes. Wenn man den Spielraum ausnutzt, den man hat, kann man jeden Fall, auch den Fall Carlos, bewältigen».

Peter Ragaz hält es für sehr wichtig, dass Carlos nun einen Neustart machen kann - und sich die Aufregung um den Jugendlichen etwas legt. «Und so hoffe ich, wird Carlos seine Chance packen.»