Juhu: «Nicht nur für Anständige, sondern auch für Randständige»

Vor genau 50 Jahren öffnete das Jugendhaus Winterthur (Juhu) seine Türen. Zu Beginn suchten die Jugendlichen Freiräume. Heute geht es vor allem um die Integration der Jugendlichen in die Gesellschaft - etwa mit Hilfe beim Bewerbungsgespräch.

Der heutige Leiter des Juhu, Siro Torresan, und Gründer Manfred Stahel vor dem Jugendhaus. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der heutige Leiter des Juhu, Siro Torresan, und Gründer Manfred Stahel, der sagt: «Toll, dass es das Juhui noch gibt.» SRF

Das Jugendhaus Winterthur - auch liebevoll Juhu genannt - ist das älteste, noch bestehende Jugendhaus der Schweiz. In den 1960ern boomte die Wirtschaft. «Die Eltern mussten arbeiten, Horte gab es nicht, die Kinder waren Schlüsselkinder», erzählt Manfred Stahel, welcher das Jugendhaus zusammen mit seinem Freund Alfred Meier gegründet hat. Die Jugendlichen schlossen sich zu Jugendclubs zusammen. «Wir waren auf der Suche nach Räumen.»

Deshalb gründeten Stahel und Meier ein Initiativ-Komitee, riefen die Jugendgruppen zur Vollversammlung und weibelten dann so lange bei der Politik, bis die Stadt das Haus an der Steinberggasse für die Jugendlichen mietete. «Etwa eineinhalb Jahre lange haben wir selbst renoviert, dann war alles bereit für die Eröffnung», erinnert sich Stahel. Herzstück war der Jazz-Keller, ein «Kafi», Billard- und Lesezimmer und eine Bibliothek. Ein Hauswartehepaar sorgte für Ordnung.

Streitereien mit den Autonomen und Schwierigkeiten mit Drogen

Nach dem Erfolg der Anfangszeit durchlebte das Jugendhaus auch immer wieder schwierige Zeiten. In den 1970ern forderte eine Gruppe Autonomer vollständige Selbstverwaltung und ging mit der Stadt auf Konfrontation. Das Juhu wurde kurz geschlossen. In den 1980ern kamen immer mehr drogenabhängige Jugendliche, die auch im Juhu übernachteten.

«  Das Jugendhaus haben wir nicht nur für die Anständigen gemacht, sondern auch für die Randständigen. »

Manfred Stahel
Mitbegründer Jugendhaus

Zu Beginn der 1990er geriet das Juhu in finanzielle Schwierigkeiten. Der jährliche Beitrag der Stadt war seit den 1980ern derselbe, Löhne und Mieten stiegen aber. Erst als das Winterthurer Stadtparlament die Unterstützung erhöhte, konnte das Juhu aufatmen.

Ein Haus für Jugendliche von 12 bis 25

Heute unterstützt die Stadt das Jugendhaus mit 400'000 Franken pro Jahr. Und die Themen haben sich geändert. Die Förderung der Jugendkultur, ein Mädchenprojekt und die gesellschaftliche Integration von Jugendlichen stehen im Fokus.

«  Die Zeiten, als das Jugendhaus ein Nest des Widerstandes gegen die Gesellschaft war, sind vorbei. »

Siro Torresan
Leiter des Jugendhauses

So helfen die fünf Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter den Jugendlichen bei der Lehrstellensuche, zum Beispiel, indem sie Bewerbungsgespräche üben. Dazu gibts Partys, ein Kaffee, in dem Jugendliche ihr erstes Geld verdienen können, und HipHop-Kurse für Mädchen.