Kommt nun die «Seefeldisierung» von Schwamendingen?

Die Wohngebiete entlang der Autobahn A1 in Zürich-Schwamendingen gehören heute nicht zu den begehrten Wohnlagen. Durch den Bau eines Autobahndeckels ab 2018 wird das Quartier aber ruhiger. Wie soll die Stadt Zürich darauf reagieren? Im Stadtparlament gab diese Frage Anlass für eine hitzige Debatte.

Visualisierung von Wohnblocks, die quer zum künftigen Überlandpark stehen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wird das Bauvolumen voll ausgenutzt, bietet sich von den oberen Geschossen ein schöner Ausblick auf den Überlandpark. Visualisierung: ZVG

Die Gelegenheit zur Diskussion bot die Beratung des öffentlichen Gestaltungsplans Überlandpark. Dieser Gestaltungsplan bildet die Grundlage für die Entwicklung der Wohngebiete entlang der geplanten Autobahn-Einhausung in Zürich-Schwamendingen. Er schafft die planungs- und baurechtliche Grundlage für Überbauungen und Aussenräume.

Im Plan ist unter anderem festgelegt, dass Neubauten quer zum Hochpark stehen müssen. Oder, dass Wohnraum für unterschiedliche Lebensformen und Einkommensschichten entstehen soll.

Ein Plan ohne sozialpolitische Dimension

Gerade Letzteres sei mit dem vorliegenden Gestaltungsplan aber nicht sichergestellt, kritisierten Grüne und AL das Werk des Stadtrats im Zürcher Stadtparlament. «Es droht die Vertreibung einkommensschwacher Gruppen, die heute genau dort leben», warnte Walter Angst (AL). Seine Parteikollegin Andrea Leitner suchte im Gestaltungsplan «verzweifelt eine sozialpolitische Dimension». Die Alternativen und die Grünen beantragten deshalb, das Werk zurückzuweisen.

SP bis SVP stärkten dagegen dem zuständigen Stadtrat André Odermatt (SP) den Rücken. Es gebe noch keine gesetzlichen Grundlagen, um etwa subventionierten Wohnraum von privaten und genossenschaftlichen Wohnbauträgern einzufordern. «Es geht hier nicht um eine Seefeldisierung von Zürich-Schwamendingen», sagte etwa Reto Vogelbacher (CVP).

Subventionierte Wohnungen «aus Überzeugung» bauen

Hochbauvorsteher André Odermatt wies die Vorwürfe von AL und Grünen denn auch zurück. Man stehe mit den Genossenschaften im Gespräch – diese müssten aber «aus Überzeugung» subventionierten Wohnungsbau betreiben. Dafür brauche es noch etwas Überzeugungsarbeit. Den Baugenossenschaften gehört viel Land im betroffenen Gebiet.

2006 hatten Parlament und Volk der Einhausung der A1 zugestimmt. Sie soll dereinst die beiden Quartiere Saatlen und Schwamendingen-Mitte vor dem Lärm und der Feinstaubbelastung schützen, welche die täglich über 100'000 Fahrzeuge dort verursachen. Die Hauptarbeiten für das 940 Meter lange, 30 Meter breite und 7 Meter hohe Bauwerk sollen 2018 beginnen. Die Einweihung ist auf das Jahr 2024 geplant.