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Zürich Schaffhausen Mit freiwilligem Steuerabzug am Lohn aus der Schuldenfalle?

Wer in Schulden versinkt, bezahlt auch meistens die Steuern nicht. Das ist die Erfahrung der Betreibungsämter. In Basel wird deshalb eine neue Idee geprüft: der automatisierte, freiwillige Direktabzug der Steuern vom Lohn. Die Caritas hat diese Idee am Montag in Zürich zur Diskussion gestellt.

Stempel aus dem Steueramt Glattfelden, mit dem eine Betreibung angefordert wird
Legende: Leute mit Schulden «vergessen» gerne, dass am Ende des Jahres auch noch eine Steuerrechnung zu begleichen ist. Keystone

Nicht nur im Kanton Zürich nehmen die Betreibungen zu. Auch im Kanton Basel-Stadt stecken immer mehr Menschen in der Schuldenfalle. Plusminus, die Budget- und Schuldenberatung von Basel-Stadt, hat deshalb eine neue Idee ins Spiel gebracht und in Basel dafür schon politische Unterstützung gefunden.

Der Vorschlag: Die Steuern sollen im Normalfall automatisch vom Lohn abgezogen werden. Nur wer das ausdrücklich wünscht, darf beim alten System bleiben. Bei den anderen überweist der Arbeitgeber einen Teil des Bruttolohnes seiner Angestellten direkt an das Steueramt. Der Betrag gilt als Anzahlung an die Steuerschuld und wird – wie die schon heute möglichen freiwilligen Anzahlungen – verzinst. Der Steuerpflichtige reicht aber immer noch eine Steuererklärung ein. Die Anzahlung wird dann mit den effektiv geschuldeten Steuern verrechnet.

Basel in der Vorreiterrolle

Das Kantonsparlament in Basel hat diese Idee unterstützt. Ein Vorschlag für eine Anpassung des Steuergesetzes ist im Stadtkanton bereits in der Vernehmlassung. Auch im Kanton Zürich ist ein entsprechender Vorstoss im Kantonsparlament hängig. Die Caritas Zürich hat das Basler Modell deshalb am Montag zur Diskussion gestellt.

Ein Gutachten attestiert der Idee nämlich Wirkung: Das System könne dazu beitragen, dass Menschen ihr verfügbares Einkommen realistischer einteilen und dass die Verschuldung der Bevölkerung sinkt, befand ein unabhängiges Beratungsbüro aus Zürich. Die Schwierigkeit dürfte aber sein, die Arbeitgeber mit ins Boot zu holen. Das zeigte die Diskussion vom Montagabend. Denn für sie würde der Systemwechsel einen zusätzlichen Aufwand und Kosten bedeuten.

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