Neuer Anlauf für eine Wohnsiedlung auf Zürcher Tramdepot

Vor fünf Jahren ist der Stadtrat von Zürich zum Schluss gekommen: Ein Hochhaus auf dem Tramdepot beim Escher-Wyss-Platz als städtische Siedlung rechnet sich nicht. Nun will er es trotzdem nochmals wissen. Das Stadtparlament hat der Projektierung zugestimmt – aber eine Sicherung eingebaut.

Blick auf das Tramdepot «Hard» der Stadt Zürich von der Seite, wo die Geleise ins Depot reinführen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grundsätzlich hat's noch Luft nach oben - schaut man sich das Tramdepot «Hard» aus der Perspektive an. Keystone

Auf dem Areal des Tramdepots Hard beim Escher-Wyss-Platz soll die Stadt Zürich rund 180 Wohnungen bauen. Zudem muss das Tramdepot erneuert werden. Mit 73 zu 42 Stimmen hat das Zürcher Stadtparlament am Mittwochabend dafür einen Projektierungskredit von 13,2 Millionen Franken bewilligt. Doch dem Zürcher Stadtparlament ist es etwas unwohl, was die Wohnsiedlung betrifft. Der komplexe Bau könnte nämlich eine kostspielige Sache werden.

Die Wohnungen sollen nämlich über dem Depot auf einer Platte liegen. Dies stellt hohe Anforderungen etwa an Statik und feuerpolizeiliche Bestimmungen. Gemäss groben Schätzungen wird mit Gesamtkosten für Depot und Wohnüberbauung von 147,9 Millionen Franken gerechnet. In dieser Summe ist noch kein Reserve-Zuschlag enthalten, die Kostengenauigkeit beträgt plus/minus 25 Prozent. Alleine auf die Wohnungen entfallen 89 Millionen Franken.

Handbremse einbauen und wenn nötig auch ziehen

Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, hat der Zürcher Gemeinderat nun eine Handbremse eingebaut. Wenn 5,5 von den 13,2 Millionen Franken ausgegeben sind, soll der Stadtrat sagen, ob das Projekt und die Kosten auf Kurs sind. Ist dies nicht der Fall, müsse man auch den Mut zum Abbruch der Übung haben, hiess es. SVP, FDP und AL wollten ganz auf den Wohnungsbau an diesem «schwierigen Ort» verzichten. Die FDP befürchtet in den engen Platzverhältnissen «eine Chrüpfete». Die AL sprach von einer Trotzreaktion. Weil man schon seit Jahrzehnten plane, wolle man nun auch etwas machen – wider besseres Wissen.

Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) versprach, die Handbremse gegebenenfalls auch zu ziehen. Vermutlich wisse man schon nach dem Architekturwettbewerb mehr, sagte Leupi. Die Stadt sei sich der Risiken, aber auch der Chancen bewusst. Unbestritten sei jedoch, dass das VBZ-Depot saniert werden müsse.

Schon der dritte Anlauf

Bereits 1989 beantragte der Stadtrat dem Gemeinderat einen Projektierungskredit für einen Depot-Neubau. Das Vorhaben wurde aber aus finanziellen Gründen nicht realisiert. Später wurde der schützenswerte östliche Teil der Depothallen instand gesetzt, und bei der Projektierung eines Neubaus für den westlichen Teil entstand die Idee einer städtischen Wohnsiedlung. 2009 begrub der Stadtrat aber die Pläne für ein Hochhaus über dem Depot («Kleeblatt»-Hochhaus). Nun nimmt er einen neuen Anlauf.