Nur noch Juristen im Gerichtssaal?

Am 5. Juni stimmt der Kanton Zürich über die Abschaffung der Laienrichter ab. Wer an einem Bezirksgericht als Richterin oder Richter arbeitet, soll in Zukunft zwingend über ein abgeschlossenes juristisches Studium verfügen.

Heute entscheiden an den Bezirksgerichten fast nur noch Einzelrichter. Damit steigen auch die Anforderungen an die Richterinnen und Richter. Deshalb wollen der Regierungsrat und eine Mehrheit des Parlaments, dass künftig keine Laien mehr als Richter amten können.

Die Laien betonen ihre Lebenserfahrung...

Katharina Schafroth ist anderer Meinung. Die 52-jährige Psychiatrieschwester und zweifache Mutter aus Dielsdorf amtet seit 2006 als Laienrichterin. Sie sagt: «Laienrichter sind sehr wohl zeitgemäss. Unsere Arbeitsqualität ist gut, das zeigt die Praxis. Beim Hauptteil unserer Arbeit geht es sowieso nicht um juristische Probleme, sondern um das Familienrecht. Und dafür sind wir Laien sehr wohl geeignet.»

«  Ich habe mich nie überfordert gefühlt »

Katharina Schafroth
Laienrichterin Bezirksgericht Dielsdorf (EVP)

Laienrichterinnen würden auch ganz andere Erfahrungen mitbringen als ein Jurist, so Schafroth: «Viele unserer Laienrichter waren zuvor in der Sozialbehörde, im Gemeinderat oder im Bezirksrat. Auf der anderen Seite haben die wenigsten Juristen Behördenerfahrung.»

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Die Parteiparolen

Für die Abschaffung der Laienrichter sind SP, FDP, Grüne, GLP, CVP, BDP und AL.

Dagegen sind SVP, EVP und EDU.

Schafroth ist deshalb klar gegen die Abschaffung der Laienrichter: «Es ist ungut, wenn man unser Milizsystem permanent aushöhlt.»

..die Juristen ihre Kompetenz

Klar für die Abschaffung der Laienrichter ist der Zürcher Bezirksrichter Martin Sarbach (44). Der frischgebackene Vater hat Jus studiert und ist 2014 als Richter gewählt worden. Laienrichter seien nicht mehr zeitgemäss, sagt Sarbach: «Laienrichter wurden im 19. Jahrhundert eingeführt. Seither hat sich ganz viel verändert, besonders in den letzten 30 Jahren. Heute entscheiden Bezirksrichter hauptsächlich alleine als Einzelrichter. Früher hätte man niemals einen Laien alleine richten lassen.»

«  Unsere Nachbarkantone haben Laien als Einzelrichter schon lange abgeschafft »

Martin Sarbach
Profirichter Bezirksgericht Zürich (SP)

Sarbach wehrt sich auch gegen die Behauptung, Juristen als Richter hätten zu wenig andere Erfahrung: «Ich habe genau deswegen längere Praktika absolviert, zum Beispiel als Hilfspfleger in einem Heim für Langzeitkranke.»

Unter dem Strich seien Juristen als Richter einfach effizienter: «Gewisse komplexe Prozesse kommen für Laienrichter einfach nicht in Frage. Wir hatten kürzlich einen Fall, dass wir extra einen zusätzlichen Gerichtsschreiber einstellen mussten, der einen neuen Laienrichter coachen musste. Das ist eine Massnahme, die viel Geld kostet.»