Onkel Wanja im Hochwasser

Ein «Mosaik der Depression« verspricht das Zürcher Schauspielhaus. Und die bekommt man in Tschechows «Onkel Wanja» dann auch. Aber bei aller Russischen Tristesse amüsiert man sich, in der kurzen und kurzweiligen Inszenierung von Karin Henkel.

Siggi Schwientek (Mitte) als Onkel Wanja: die pure, russische Tristesse. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Siggi Schwientek (Mitte) als Onkel Wanja: die pure, russische Tristesse. zvg (Matthias Horn)

Keiner kann so jämmerlich aussehen, wie Siggi Schwientek. Wie ein krummer, dürrer Baum steht er schief und verbogen auf der leeren Pfauenbühne. Tränensäcke gross wie ausgebeulte Hosentaschen, ein Gesicht wie ein mehrmals gebrauchtes Geschenkpapier - das ist Wanja, Onkel Wanja.

«Müde bin ich, so müde» sagt er gleich zu Beginn. Und nicht einmal der Verrat des Schwagers, kann ihn Aufwecken. Die zwei Pistolenschüsse misslingen, das trostlose Leben geht weiter.

Hochwasser und eine Eiswand

Die Regisseurin Karin Henkel hat den Text von Anton Tschechow zusammen mit ihrer Dramaturgin Amely Joana Haag gekürzt und sprachlich leicht modernisiert. Zwei Stunden lang lässt sie das Ensemble durch knöcheltiefes Wasser waten, jeder Schritt eine Mühsal - genau wie das ganze Leben auf dem einsamen russischen Gut.

Volle Wodkaflaschen stehen immer griffbereit, alle warten, nur weiss keiner auf was. Das ist konsequent gedacht und konsequent inszeniert. Und bei allem Grau und aller Melancholie strahlen immer wieder kleine helle Momente auf, in denen man laut lachen oder doch wenigstens leise schmunzeln kann.

Weitere Vorstellungen bis 5. März im Schauspielhaus Zürich.