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Zürich Schaffhausen Prostituierte beklagen mehr Repression und «schlechte» Freier

Seitdem der Strassenstrich am Sihlquai verboten ist, gebe es eine regelrechte «Jagd» auf Prostituierte im Langstrassenquartier. Diesen schweren Vorwurf erheben Frauenorganisationen. Die Stadt weist die Anschuldigungen von sich.

Legende: Video Jagd im Zürcher Rotlichtmilieu abspielen. Laufzeit 11:16 Minuten.
Aus Rundschau vom 04.12.2013.

Zürcher Prostituierte haben sich in einem Appell an den Zürcher Stadtrat gerichtet. In den vergangenen Monaten hätten sich ihre Arbeitsbedingungen stark verschlechtert, schreiben sie. Grund dafür seien die Massnahmen, welche die Stadt eigentlich zum Schutz der Sexarbeiterinnen ergriffen hat, nämlich die neue Prostitutions-Gewerbeverordnung. Seither ist die Strassenprostitution in Zürich nur noch auf dem neuen Strichplatz in Altstetten, in der Brunau und an der Zähringerstrasse erlaubt.

Freier und Prostituierte, die am bisherigen Strassenstrich - dem Sihlquai - oder im Kreis 4 erwischt werden, erhalten eine Busse. Um dies sicherzustellen, habe die Polizeirepression ein unerträgliches Ausmass angenommen, heisst es im Appell. Die Prostituierten würden auch gebüsst, wenn sie privat unterwegs seien. Frauenberatungsstellen sprechen von einer eigentlichen «Jagd» auf Frauen.

Mehr «schlechte» Freier

Die erhöhte Repression habe zudem bewirkt, dass weniger Freier im Kreis 4 unterwegs seien. Abgeschreckt werden offenbar aber vor allem die «anständigen», während die «schlechten» vermehrt anzutreffen seien. Diese Freier würden keinen Respekt zeigen, extreme Praktiken ohne Gummi verlangen und sich weigern zu zahlen.

Auch die neu eingeführten Betriebsbewilligungen für Salons machen den Frauen zu schaffen. Die Auflagen der Stadt seien so hoch, dass sie kaum zu erfüllen seien und viele Salons schliessen müssten. Die Prostituierten fordern deshalb, dass im Kreis 4 ein legaler Strassenstrich inklusive Fensterprostitution eingerichtet wird, die Polizeirepression gestoppt und das Bewilligungsverfahren für Salons vereinfacht werden. Den Appell initiiert haben die Zürcher Aidshilfe, die Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration, die Stadtmission und die Heilsarmee.

Stadt Zürich sieht keinen Handlungsbedarf

Bei der Stadt Zürich nimmt man den Appell zur Kenntnis. Man werde aber nichts ändern, sagte Renato Casanova, Sprecher des Polizeidepartementes auf Anfrage des «Regionaljournal Zürich Schaffhausen». Die heutige Ordnung entspreche gültigen Gesetzen. Es sei ein bewusster, politischer Entscheid gewesen, auf Strassenprostitution im Langstrassenquartier zu verzichten. Wer das ändern wolle, müsse über den politischen Weg das Gesetz ändern.

Den Vorwurf der Polizeirepression weist die Stadtpolizei von sich. Man habe den klaren Auftrag, Strassenprostitution überall dort, wo sie nicht erlaubt sei, zu verhindern. Wer sich ungerechtfertigt gebüsst fühle, könne beim Stadtrichteramt Rekurs einlegen.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Männer, naturgegeben absolute Schmiede ihres eigenen Glückes dürfen sich mit Körper und "Seele" für jeden Job hergeben, auch wenn viele sich dabei am Ende beides ruinieren. Frauen aber wird das Stopschild "Menschenwürde" in den Weg gestellt, wenn sie sich dem Job Prostitution verschreiben wollen. Tolle Logik!
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    1. Antwort von Claude Vuillaume, Wallisellen
      Herr Kerzenmacher, das Grundeinkommen bekommen auch die Männer. Das BGE soll nicht nur die Armut und Ausbeutung verhindern, sondern soll als Rahmenbedingung für weitere positive Entwicklungen sorgen. Zum Beispiel wäre eine kooperative Gesellschaft mit dem BGE als Grundlage erst richtig möglich. Wir sollten uns nicht gegenseitig ausspielen. Es ist schockierend, wieviel Zeit und Geld die Menschheit für Krieg und Streit ausgeben, anstatt kreativ und menschlich zu werden. Das BGE ist eine Chance.
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  • Kommentar von Claude Vuillaume, Wallisellen
    Gute oder schlechte Freier wird es nach der Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens nicht mehr geben. Nach einer Studie, wo man tausende 15 Jährige Mädchen nach ihren beruflichen Plänen gefragt hatte, mussten die Politiker und Experten mit Erstaunen feststellen, dass kein Mädchen von Prostitution geredet hat. Erst später, wenn der berufliche Alltag beginnt, erscheinen solche Optionen. Sockenlutscherei am Arbeitsplatz und Prostitution liegen nicht weit auseinander.
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