Tagesbetreuung für Kind und Grosi

In Bülach gibt es eine ungewöhnliche Tagesbetreuungsstätte. Im «Tandem» werden Kinder und demente Seniorinnen und Senioren zusammen betreut. Das Leben wie in einer Grossfamilie gefällt alt und jung.

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Projekt Tandem

4:34 min, aus Schweiz aktuell vom 3.11.2014

Aimo und Lilly, beide eineinhalb Jahre alt, bringen Frau Anliker eine bunte Perlenkette nach der anderen. Die demente Pensionärin verbringt einen Tag in der Woche in der Tagesbetreuungsstätte. Die restliche Zeit wird sie von ihrem Mann betreut. Die beiden Kinder und die Seniorin haben sichtlich Spass am zusammen Spielen.

Jeden Tag ein Grosi

Das Zusammentreffen zweier Generationen ist auch der Grund, weshalb die Eltern ihre Kinder im «Tandem» betreuen lassen. Zu Beispiel Stefan Braun. Seine Eltern leben in den USA, die seiner Frau in Frankreich. «Wir fänden es schade, wenn unsere Zwillinge ohne Grosseltern aufwachsen würden. Hier kommen sie mit alten Menschen in Kontakt, das finden wir sehr schön.»

Ruth Sarasin, die Leiterin der Tagesbetreuungsstätte, hatte vor fünf Jahren die Idee für eine generationenübergreifende Tagesbetreuung. Mit Hilfe der Stadt Bülach und verschiedenen Stiftungen konnte sie vor einem Jahr «Tandem» eröffnen. Sie ist überzeugt von ihrem Konzept. Die alten Menschen würden durch die Kinder aktiviert. Sie würden sich freuen, mithelfen zu können und, dass immer etwas läuft.

Ein Kind flüstert einer älteren Frau ins Ohr. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im «Tandem» profitieren die Kinder und die Seniorinnen und Senioren. Colourbox/Symbolbild

Beide Seiten profitieren

«Die Pensionäre fühlen sich mit den Kindern wohl, der Umgang mit ihnen erinnert sie an früher, als sie selber eine Familie zu betreuen hatten», erklärt Ruth Sarasin. Und die Kinder profitieren davon, dass immer jemand da ist, der sie gerne auf den Arm nimmt oder ihnen Lieder vorsingt. «Mir gefällt es hier, es ist schön, dass es Kinder hat und nicht nur alte Leute», sagt Frau Huber, die zwei Tage in der Woche im «Tandem» verbringt.

Zwei Pflegefachfrauen kümmern sich um die Kinder, zwei weitere um die Pensionäre. Das Interesse an der generationenübergreifenden Betreuung sei gross, sagt Ruth Sarasin. Vor allem Senioren, die ihre Partner oder Eltern pflegen und eine Entlastung suchen würden sich melden. Aber:« Der Schritt, die geliebte Person fremd betreuen zu lassen ist schwer. Viele scheuen davor zurück.»

Noch müsse viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Überzeugt ist seit kurzem eine Gruppe österreichischer Pflegefachleute. Diese sind im Internet auf die Homepage von «Tandem» gestossen und haben sich für einen Besuch angemeldet. «Sie waren begeistert von unserem Kozept!»

(schn/fren; Schweiz Aktuell, 19 Uhr)