Testlauf in Dübendorf: Mit Ozon gegen Mikroschadstoffe

Sie sind unsichtbar, aber gefährlich: Mikro-Stoffe aus Medikamenten, Putzmittel oder Insektiziden. Und sie sind so klein, dass die Kläranlagen diese Stoffe bis jetzt nicht aus dem Abwasser herausfiltern konnten. Die erste Anlage der Schweiz, die das mittels Ozonung schaffen soll, steht in Dübendorf.

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Kläranlagen gegen Mikroverunreinigungen

1:34 min, aus Tagesschau am Mittag vom 4.9.2014

Für den Mensch seien diese Mikrostoffe nach heutigem Wissensstand nicht schädlich. Dafür umso mehr für Algen und vor allem die Fische. Daniel Rensch, im Kanton Zürich zuständig für die Kläranlagen, erklärt: «Die Lebewesen nehmen diese Stoffe auf, was bei Fischen zur Schädigung der inneren Organe führt und ihre Fortpflanzung und ihr Wachstum beeinträchtigt.»

All dies soll nun in der «ersten nationalen Anlage zur Elimination von Mikroverunreinigungen» besser werden. Auf dem Areal der Abwasserreinigungsanlage Neugut in Dübendorf wird deshalb der grössten Kläranlage der Schweiz eine neue Reinigungsstufe angeschlossen: Das bereits gereinigte Wasser wird zusätzlich mit dem Gas Ozon behandelt.

Daniel Rensch erklärt den Vorgang: «Man bläst dieses Ozon ins Wasser und dieses greift die Mikro-Stoffe an, zerstückelt sie wie ein Messer. Dadurch können die Stoffe in verkleinerter Form von den Lebewesen ohne Risiko aufgenommen werden.»

Teure Anlage – gute Testresultate

Seit März wird in Dübendorf ausgewertet, ob die Anlage auch hält, was sie verspricht. Die Resultate seien positiv, so Daniel Rensch: «Die Mikroverunreinigungen werden tatsächlich zu einem grossen Teil abgebaut.» Über 80 Prozent der Mikroverunreinigungen werden mit der Anlage eliminiert, so Rensch. Das Ozon spaltet die Mikroverunreinigungen auf, die meisten Spaltprodukte werden durch eine Sandanlage biologisch abgebaut. Die Glatt, der Fluss gleich neben der Anlage, werde viel weniger belastet.

Der Kanton Zürich lässt sich diese neue Methode einiges kosten: Inklusive Vorarbeiten wurden rund 3,3 Millionen Franken investiert. Der Kanton beteiligt sich mit 500'000 Franken an den Investitionskosten. Zudem zahlt er während zehn Jahren jährlich 40'000 Franken an die Betriebskosten. Wenn die Revision des
Gewässerschutzgesetzes in Kraft tritt, wird sich der Bund ebenfalls beteiligen.

Rund 40 Anlagen im Kanton nachrüsten

Insgesamt sollen im Kanton Zürich in den nächsten zwanzig Jahren 40 der grösseren kommunalen Abwasserreinigungsanlagen (ARA) nachgerüstet werden. Der Anteil von Mikroverunreinigungen soll damit um bis zu 70 Prozent reduziert werden. Die Gesamtkosten betragen im Kanton Zürich rund 300 Millionen Franken. Davon übernehmen die Anlagenbetreiber gut 70 Millionen Franken.